Der Schlagzeuger und Ex-"Beatle" Ringo Starr wird 80 Jahre alt. 
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Der Schlagzeuger und Ex-"Beatle" Ringo Starr wird 80 Jahre alt. 

Beatles

Ex-Beatle Ringo Starr feiert 80. Geburtstag: Der Mann, der alle überlebt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Ringo Starr, der älteste Beatle, wird 80 Jahre alt und feiert mit der ganzen Welt. Auch Paul McCartney ist zu seiner Feier eingeladen worden. 

  • Ringo Starr feiert seinen 80. Geburtstag.
  • Starr ist der älteste der Beatles gewesen.
  • Ist Starr auch der beste Schlagzeuger?

Mag sein, dass Ringo Starr schon rauschendere Geburtstagspartys gefeiert hat als die kommende an diesem Dienstag. Aber falls es diesmal weniger rauscht, dann liegt das am blöden Corona-Virus. Nicht etwa daran, dass Ringo Starr 80 wird. „Jeder weiß, dass ich zum Geburtstag gern mit Fans zusammenkomme für Liebe und Frieden“, sagt er. „Aber in diesem Jahr möchte ich, dass alle sicher zu Hause sind.“ Was nicht heißt, dass er ohne Fans feiern will. Im Gegenteil: Er feiert mit mehr Fans denn je, eigentlich mit allen – mit der ganzen Welt. Im Internet.

Ringo Starr - Geboren in Liverpool, später berühmtester Schlagzeuger der Welt

Und wenn in diesem Text noch kein einziges Mal der Begriff Beatles vorgekommen ist, aber alle wissen trotzdem, um wen es geht, dann bedeutet das schlicht und einfach: Es geht um den berühmtesten Schlagzeuger der Welt. Ob Ringo Starr, geboren in Liverpool als Richard Starkey am 7. Juli 1940, auch der beste Schlagzeuger ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Manche sagen: ja, und sie preisen sein mannschaftsdienliches, schnörkelloses Spiel. Oder die virtuosen Tom-Tom-Fills im Meisterwerk „A Day In The Life“ (1967). Andere, vor allem die Witzbolde, behaupten, er sei keineswegs der beste Schlagzeuger der Welt – er sei nicht einmal der beste Schlagzeuger der Beatles.

Dabei gab es nicht viele andere Schlagzeuger der Beatles. Im Prinzip nur einen: Pete Best, der 1962 seinen Platz räumen musste, weil er nicht gerade der Zuverlässigste war. Aber erstaunlich, dass sein Name trotzdem noch einen Klang hat. Musikinteressierte Menschen erinnern sich daran, wer der Drummer war, der ging, bevor Ringo Starr kam, noch bevor die Beatles überhaupt berühmt wurden, damals, von Hamburg aus. Wie viele andere Schlagzeuger, die lang in erfolgreichen Bands spielten, sind so berühmt?

Legendäre Drummer 

Es ist das Los des Typen in der letzten Reihe. Manche haben einen Namen: Charlie Watts von den Stones konnte man nach ungefähr 150 Jahren auf der Bühne nicht mehr übersehen, Stewart Copeland von Police spielte einfach zu genial. John Bonham von Led Zeppelin, Keith Moon von The Who – Legenden. Aber wer war gleich der Schlagzeuger der Byrds? Na? Kinks? Fällt Ihnen auf Anhieb der Trommler von Pink Floyd ein? Der von U2? Depeche Mode? Der von Coldplay?

Phil Collins hat sich bei Genesis aus der letzten in die erste Reihe gesungen, Dave Grohl ist aus dem Hintergrund von Nirvana, aus Kurt Cobains Schatten ins strahlende Licht der Foo Fighters getreten. Ringo Starr hat keine annähernd so glänzende Solokarriere hingelegt, auch wenn er nach dem Ende der Beatles 20 (zwanzig!) Alben veröffentlichte. Na gut, es waren Hits dabei, „You’re Sixteen“ der wohl bekannteste und zugleich befremdlichste, inhaltlich betrachtet: „Du bist sechzehn, du bist schön und du bist mein“ – das würde heute bei aller Kunstfreiheit einen gewissen Shitstorm auslösen, und zwar zu Recht.

Ringo Starr - der Mann, der alle überlebt

Was macht Ringo Starr? Er überlebt einfach alle. Und wenn er auch auf der Beatles-Bühne nicht größer auffiel im Rücken von John, Paul und George, so war er doch beispielsweise in den Filmen der Fabelhaften Vier ein mindestens gleichberechtigter Hingucker. Herrlich erfrischend sein Auftritt in „Help“, und ebenso der Song „Act Naturally“ darin, den Ringo sang: „Sie werden einen großen Star aus mir machen ... alles, was ich tun muss, ist: mich ganz natürlich verhalten.“

Selbstironie, eine seiner besten Qualitäten. Und wir wissen ja: Selbstironie macht sexy.

Ringo, der älteste Pilzkopf, sang auf fast jedem Beatles-Album einen Song. Auf „Revolver“ war es „Yellow Submarine“, auf „Sgt. Pepper“ war es „With A Little Help From My Friends“, auf „The Beatles“ war es „Don’t Pass Me By“, und auf „Abbey Road“ war es „Octopus’s Garden“. Er sang die launigen Stücke, während die Kollegen sich um den Tiefgang verdient machten. Ein Sprachkünstler war er aber auch: Die Titelzeilen „A Hard Day’s Night“ und „Tomorrow Never Knows“ stammten von Ringo Starr, wenn auch eher zufällig, beim Plaudern fallengelassen.

Auch mit 80 Jahren ist Ringo Starr noch blendend in Form

Wie wunderbar, dass es dem Mann mit 80 offenbar so blendend geht. Als Kind häufig krank, als Star alkoholabhängig, gelang ihm vor gut dreißig Jahren gemeinsam mit seiner Frau, dem Model Barbara Bach, der Entzug. Seither leben die beiden gesund – und Ringo hat schon die nächste Tour geplant. Wegen Corona musste sie auf 2021 verschoben werden. Dann ist er 81.

Aber zuvor wird gefeiert. Für Dienstag hat er Paul McCartney und weitere berühmte Musiker eingeladen, Joe Walsh, Sheryl Crow, Sheila E., Ben Harper – für Zuhause-Sessions, die ins Internet übertragen werden. Weitere Künstler wie Jeff Bridges, Willie Nelson, Jackson Browne, Elvis Costello und Peter Frampton haben an einer Gaststar-Version von Starrs 2019er Song „Give More Love“ mitgewirkt. Und die Einnahmen rund um „Ringo’s Big Birthday Show“ sollen vier Organisationen zugutekommen: dem Black Lives Matter-Netzwerk, der David Lynch-Stiftung, MusiCares und Water Aid. Die Show läuft auf Ringo Starrs Youtube-Kanal am Dienstag, 7. Juli, um 20 Uhr Ortszeit, in Deutschland also um 2 Uhr morgens. (Thomas Stillbauer)

Ringo war der älteste - George Harrison hingegen der jüngste Beatle.

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