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Der Rapper RIN. Foto: Jonas Walzberg/dpa

Rapper RIN

RIN: Bass, Bass, ganz viel Bass

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Der Rapper RIN bringt in der Frankfurter Festhalle die Verhältnisse zum Tanzen.

Im Jahr 2017 hat RIN in Frankfurt im Klub Zoom gespielt, an zwei ausverkauften Abenden, im Jahr darauf schon in der weitaus größeren Batschkapp, gleichfalls zweimal vor vollem Haus. Diesmal, im Zuge der Konzertreise zu seinem zweiten Album „Nimmerland“, ist ursprünglich die Jahrhunderthalle gebucht gewesen, doch das Konzert wurde gar in die riesige Festhalle verlegt. Die ist allerdings nicht mehr als ansehnlich gefüllt gewesen, die Ränge blieben geschlossen. Wie auch immer: RIN hat einen rapiden Aufstieg hingelegt und ist der Mann der Stunde im Rap deutscher Sprache.

Die Stimmung ist von Anfang an ausgelassen. Das Publikum: Teenies und weit jünger, etliche mit einem im Takt der Beats mitwippenden Elternteil. RIN, der eigentlich Renato Simunovic heißt und Anfang der neunziger Jahre als Sohn bosnisch-kroatischer Einwanderer in der baden-württembergischen Kleinstadt Bietigheim-Bissingen geboren wurde, tritt klassisch zusammen mit einem DJ auf. Dessen Pult aber ist in die Kulisse eingearbeitet. Eine Bergkette, davor ein toter Baum, mit einer Anmutung von Laubsägearbeit. RIN for future? Das wäre vermutlich falsch interpretiert.

Der kunstfertigste Rapper ist RIN nicht gerade, was nicht gleich von Schaden ist. Die Musik ist state of the art, was auch heißt: ohne ernstliche Auffälligkeiten. Cloud-Rap und Trap, wie gerade gebräuchlich. Doch nichts dagegen, das zieht schon. Die Devise lautet: „Bass, Bass/Ganz viel Bass, ganz viel Bass, ganz viel Bass, ganz viel Bass“, wie es in einem Song von dem 2017 veröffentlichten Debütalbum „Eros“ heißt.

„Pulverfass voller Feelings“

Sowie weiter: „Drei Uhr nachts in Calabasas, wir sind wach (aha)/Sie liebt das, was ich mach‘ (Bitch)/Es ist Donnerstag, ich kauf’ die halbe Stadt (oh ja, oh ja)/(...)/Ich bin Produkt meiner Jungs und meiner Stadt (bin Produkt)/Pulverfass voller Feelings, voller Hass (zu viel Hass)/Mein Bruder Ash schlägt und Kiefer machen Knack (sie machen Knack)/Bullen halten an, auch wenn ich ihnen nichts mach’ (Hurensöhne)“.

Befindlichkeitsrap trifft Krawallvokabular. Eine schillernde Angelegenheit. Das Wort Zeitkritik kommt einem in den Sinn, wenn RIN Markennamen reihenweise droppt. „Kein Highspeedinternet, ich bin gedrosselt (scheiß Vodafone)/Ich esse Butter-Chicken, Bitch, ich kann jetzt kochen (kein Aldi)/Hose übern Socken, ich geh’ mir was coppen (zu fresh)/Zehn Prozent bei Endclothing“. Wobei von den Worten – ungeachtet eines für die Verhältnisse der Festhalle beachtlich klaren Klangbilds – bloß Brocken zu verstehen waren.

Was den Fans wurscht sein konnte, denn die haben ohnehin bei vielen Nummern textsicher mitgesungen. Banalität, Oberflächlichkeit, Leere – in einer so lässigen wie genau gearbeiteten Weise bringt RIN die Verhältnisse zum Tanzen. Man braucht kein Teenie zu sein, um sich davon angesprochen zu fühlen.

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