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The Cure in der Frankfurter Festhalle: Groß und genau richtig

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Von: Nicklas Baschek

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Robert Smith von The Cure.
Robert Smith von The Cure. © IMAGO/Starface

The Cure mit druckvollem Sound in der Frankfurter Festhalle.

The Cure haben immer wieder getourt, vor einigen Jahren waren sie auch in Frankfurt an gleicher Stelle. Aber das letzte Album „4:13 dream“ ist 14 Jahre alt. Nun wird es bald ein neues geben, sie werden Songs davon spielen, die so tief und dunkel sind wie das Album „Disintegration“ von 1989. Die Menschen hier kennen die Band schon lange, die T-Shirts sind schwarz, The Cure steht sehr oft darauf. „It wont be like this all the time“ steht auf einem Shirt, das es zu kaufen gibt für okaye 20 Euro.

Familien sind hier, Mütter und ihre erwachsenen Söhne. Die Mütter kaufen T-Shirts für den Enkelsohn. Die Halle ist sehr voll. Im Hintergrund leuchtet zu Beginn ein Sternenhimmel, sphärisches Grummeln. Sehr laute Menschen, Flackern, leuchtende Handys, kalt, kalt. Stroboskop. Robert Smith geht auf und ab, Perry Bamonte ist nach Jahren wieder dabei. Simon Gallup am Bass trägt Tolle und Lederjacke, er ist so etwas wie das energetische Zentrum. Im Hintergrund, ist das das Meer oder der Himmel?

„The Cure“ in Frankfurt - Statement gegen WM in Katar

„Endsong“ ist der erste Song, er ist neu. „This is the end of every song I sing“. Das ist groß und genau richtig in diesem, ja, ironischen Pathos, den die Band des Allerschwersten schon immer konnte. Vor kurzem twitterte Smith, seine Band spiele nicht zur Eröffnung der Fußball-WM in Katar.

The Cure sind einerseits so 80er wie man nur sein kann, aber sie haben auch so viel Übergroßes geschrieben, dass sie drei Stunden spielen können ohne einen Ausfall und es immer zu gehen scheint um anthropologische Konstanten.

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„I’ve been looking so long at these pictures of you, that I almost believe they are real.“ Mittags saß mein Kind auf meinem Schoß, es griff nach dem Ballon im Buch und sagte: „Haben!“

Robert Smith klingt sehr kraftvoll und fragil zugleich, vielleicht, als würde er die eigenen Emotionen fest umarmen. Der Sound ist so druckvoll wie selten an diesem Ort, Gallup treibt mal voran, mal klingelt es gläsern aus seinem Bass. Da ist mehr Grimm live, das Verschwommene in ihrem Sound, das sie auf Platte oft haben, ist hier eher klarere Form, Kante, Druck. Sie spielen „Lovesong“, der Bass schüttelt. Es ist dazu hell erleuchtet, „You make me feel like im young again“. Lauter Zeilen für tätowierte Oberarme. Und wieder ist da diese schöne Ironie: die Band schrieb das vor 33 Jahren.

Robert Smith tanzt, Simon Gallup zieht die Lederjacke aus, Unterhemd, muskulöse Arme. Im Hintergrund Blau und Grün wie im Disneyfilm, es ist erstaunlich, wie kitschig das Bühnenbild teilweise ausfällt. „Listen to the silence at night.“ Der Bass drängelt, die Gitarren, sie verharren, verzieren, das Keyboard spannt vielleicht Bögen, vielleicht legt es die Glocke darüber. Im Hintergrund verlaufende Farben, zerspringende Kleckse. Sie spielen „From the Edge Of the Deep Green Sea“, es leuchtet hellrot, natürlich. „Too many years I cried“, die Gitarren schneiden.

Der Mond ist voll, er leuchtet rot. Es ist leicht zu sagen, das hier seien Klischees. Hier geht es eher um Herkünfte. Sie spielen in einer absurd hitlastigen Zugabe „A Forest“ am Ende der ersten Zugabe. Grüne Strahler teilen den Raum. Bass. Puls.

Sie spielen „Friday I’m In Love“, diesen wahnsinnig eingängigen Song über die Flüchtigkeit von Stimmungen. Endgültig, alle tanzen. „Whatever words I say, I will always love you.“

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