1. Startseite
  2. Kultur
  3. Musik

Rias-Kammerchor in der Alten Oper: Vom Über- bis zum Unterirdischen

Erstellt:

Von: Bernhard Uske

Kommentare

Der Rias-Kammerchor beim Fratopia-Festival in der Alten Oper

Die Verwandlung „des Großen Saals in einen Open Space“ war angekündigt beim Konzert des Rias Kammerchors im Rahmen des Fratopia-Festivals der Alten Oper. „Überirdisches“ lautete das Motto dieses Auftritts des im nächsten Jahr seinen 75. Geburtstag feiernden Chors, bestehend aus knapp vierzig Sängerinnen und Sängern. Man musizierte gemeinsam mit der umtriebigen Organistin Iveta Apkalna unter der Leitung des Kammerchor-Chefdirigenten Justin Doyle.

Der „Open Space“ zeigte sich gleich beim Betreten des Großen Saals höchst begrenzt, nämlich wieder mit jenen Sitzplätze blockierenden Corona-Schnüren gefesselt. Abstand als Offenheit und eine in quadratischer Form um Orgelspieltisch und Dirigentenpult gruppierte Sitzordnung. So dass ein guter Teil des Publikums hinter den Sängerinnen- und Sängermünden zu sitzen und zu hören kam. Auf den Rängen und dem Balkon war glücklicherweise alles wie immer, was bedeutete, dass dort von einer angemesseneren Wahrnehmung die Rede sein konnte.

Die steigerte sich dank immer beweglicher werdender Diktion des Chors. Drei unter dem Titel „Earthrise“ stehende Vokalsätze Alec Roths waren dann der Höhepunkt, auch was plastische Präsenz anbetraf. Der 1948 geborene Schweizer Komponist konnte das Thema einer gefährdeten und zugleich wunderbaren Schöpfung sowohl in bekenntnishafter Haltung als auch in formidabler Klangtektonik bestens begründen. Zugleich war hier ein artikulatorischer Reichtum gegenwärtig, der den meisten der anderen Beiträgen zum „Überirdischen“ abging.

Jean Langlais’ fade, steife Liturgiebegleitintonationen („Messe solennelle“) mit Olivier Messiaens konstruktivistischer Phantasie und Theophonie in einem Atemzug (des Programmhefts) zu nennen, war schon ein starkes Stück, wie auch die beiden Orgelwerke Lionel Roggs (Themen aus der Johannes-Offenbarung) eher narrativen Kirchenkonzertkonventionalismus darstellten. Aus solch hausbackenen Klangbausteinen vermochte auch eine Iveta Apkalna keinen Funken zu schlagen.

Thomas Tallis’ „Spem in Alium“ – die mehrchörige Motette, die nun tatsächlich Raummusik war – kam spannungslos und als ein endlos gequirlter Klangbrei daher. Dazu hatte sich der Chor auf die traditionell dafür vorgesehenen und trocken klingenden Plätze des Konzertsaalpodiums gestellt: eine Stimmgruppe neben der anderen – den Saal frontal beschallend.

Von Peteris Vasks gab es ein glücklicherweise nicht allzu lang geknüpftes Rosenkränzlein seiner geläufigen Konfektion irdischer bis unterirdischer Redundanz.

Auch interessant

Kommentare