Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Francesco Turrisi und Rhiannon Giddens. Foto: Nonesuch/Warner
+
Francesco Turrisi und Rhiannon Giddens.

Album

Rhiannon Giddens: „They’re Calling Me Home“ – Dem Tod mit fester Stimme begegnen

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
    schließen

Rhiannon Giddens, Francesco Turrisi und ihr großes Album „They’re Calling Me Home“.

Rhiannon Giddens, geboren 1977 in Greensboro, North Carolina, hat eine klassische Gesangsausbildung abgeschlossen, sich aber dann mit ihrer so selbstbewusst schmiegsamen wie wandelbaren Stimme dem Folk in all seinen Spielarten und der nordamerikanischen Old-Time Music wie etwa dem Bluegrass zugewandt. Der italienische Multiinstrumentalist, Jazz-Pianist und Komponist Francesco Turrisi, ebenfalls Jahrgang 1977, ist ihr musikalischer und ihr Lebenspartner. Gemeinsam haben sie, die mittlerweile in Irland leben, kürzlich das so schlichte wie ausdrucksstarke und emotional dichte Album „They’re Calling Me Home“ herausgebracht.

Von der Bluegrass-Sängerin Alice Gerrard stammt der Titelsong, der in melancholischen Folk-Linien vom Abschiednehmen erzählt: „My time is come to sail away“. Dagegen begegnet Giddens dem Tod in „O Death“ mit bluesigem, trotzigem Röhren, treibt Turrisi mit seiner flinken Frame Drum dem Lied einen Teil seiner Dunkelheit aus. Überhaupt greifen die beiden auf akustische, traditionelle Instrumente zurück, das Akkordeon, den Dudelsack und die Flöte (Emer Mayock), die Fiddle, Gitarre (Niwel Tsumbu), verschiedene Arten des Banjos, darunter rares, extra anzufertigendes Viola- oder Cello-Banjo.

Das Album

Rhiannon Giddens : They’re Calling Me Home. Nonesuch/Warner.

Aber allemal ist klar: Rhiannon Giddens’ Stimme regiert über dieser fein ziselierten Instrumentierung. Lediglich zartes Zupfen begleitet sie bei Monteverdis Madrigal „Si dolce è’l tormento“, der getragenen Klage eines Liebenden. Von einem betrügerischen Mann erzählt dagegen eine Frau in „When I Was In My Prime“ von der britischen Folk-Gruppe Pentangle: Ihre jungen, ihre besten Jahre hat er ihr gestohlen, nun sitzt sie da. Giddens’ Gesang wird hier umwebt von feinem Plinkern und lang gehaltenen Tönen. Beim italienischen Wiegenlied „Nenna Nenna“ stimmt ausnahmsweise Turrisi mit ein: Er hat dieses Lied oft seiner Tochter vorgesungen, erzählte er zum Erscheinen des Albums in einem Interview.

„Amazing Grace“, gesummt

Bei allem Rückgriff auf alte Lieder und Volksweisen, auch auf kraftvolle Gospels wie „I Shall Not Be Moved“, ist die Interpretation eine ganz eigene, manchmal durchaus eigenwillige. Das Kirchenlied „Amazing Grace“ etwa wird von Rhiannon Giddens nur gesummt – ja, gesummt, und das noch nicht einmal besonders laut – so dass die Zuhörerin umso mehr die Ohren spitzt. Dem überlieferten „Black As Crow (Dearest Dear)“ gibt sie kunstvolle, folkgesangstypische Schnörkel. Dafür ist „Waterbound“ ein Traditional aus US-amerikanischem Bestand, die Füße beginnen zu zucken, wie auch bei „Bully For You“ und dem Instrumental „Niwel Goes to Town“, das, wie der Titel schon sagt, dem Gitarristen gewidmet ist. Und dass Giddens ein Lied komponieren kann, das mühelos Anschluss findet an die alte wie die neue Zeit, das beweist auf diesem Album „Avalon“.

Denn zwar pflegen Rhiannon Giddens und Francesco Turrisi das traditionelle Liedgut, aber behutsam machen sie es anschlussfähig an zeitgenössische Arten und Weisen. Und ohnehin könnte Rhiannon Giddens das Telefonbuch vorsingen – man würde ihr fasziniert zuhören.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare