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Rheingau Musik Festival: Frieder Bernius mit dem Kammerchor Stuttgart – Heilige Kunst

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Von: Judith von Sternburg

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Frieder Bernius mit dem Stuttgarter Kammerchor und der Stuttgarter Hofkapelle beim Rheingau Musik Festival.
Frieder Bernius mit dem Stuttgarter Kammerchor und der Stuttgarter Hofkapelle beim Rheingau Musik Festival. Foto: Ansgar Klostermann / RMF © Ansgar Klostermann/RMF

Der Kammerchor Stuttgart und die Hofkapelle Stuttgart in Kloster Eberbach.

Das Rheingau Musik Festival taucht in diesem Sommer tief in den lange vermissten Chorgesang ein – eine eigene kleine Reihe widmet sich Knabenchören, zum Ende der ersten Festivalwoche war aber erst einmal der Kammerchor Stuttgart unter Frieder Bernius zu Gast in der Basilika von Kloster Eberbach. Eine eindrucksvolle Wiedervorlage, indem Bernius und die von ihm 1968 gegründete Formation am 23. Juni 1988 das allererste Rheingau-Musik-Festival-Konzert überhaupt bestritten. Viel jünger ist die Hofkapelle Stuttgart, eine Bernius-Gründung von 2006, jetzt eine behände Ergänzung zum schlanken Unter-40-Personen-Chor.

Das Operngenie Schubert

Auf dem Programm religiöse Musik oder sagen wir: Musik auf religiöse Texte, denn es galt der Kunst, auch wenn das Verhallen im Kirchenraum passend erschien. Das Liturgische war aber weit abgedrängt, der Franz Schubert der Es-Dur-Messe etwa tritt einem als verkanntes Operngenie entgegen. Das farbenreichste Werk des Abends frappiert in jeder Passage mit neuen Ideen, kleinen Bläsersignalen, einem Wiegenlied für zwei Tenöre, kühnen Harmonien zum dreifachen „Sanctus“, die die Heiligkeit der Musik feiern, die mit der Heiligkeit Gottes eng verwandt sein mag. Schließlich einem „Agnus Dei“, als wäre es ein romantischer Liebessong.

Zuerst gab es aber Felix Mendelssohn Bartholdys Psalmvertonung „Kommt, lasst uns anbeten“, lupenrein und schwerelos beglückend dargebracht. Das am Frömmsten wirkende Stück war dann in der Mitte das kürzeste und jüngste, das 1982 uraufgeführte „Agnus Dei“ aus Krzysztof Pendereckis „Polnischem Requiem“, ein durchaus auf Überwältigung angelegter Chorsatz. Bernius versuchte nicht, die drei Werke attacca zu spielen, was sicher seinen Reiz gehabt hätte, aber auch eine Exaltiertheit, die ihm nicht liegen dürfte. Er ist übrigens ein Dirigent, dem man interessiert zusieht. Würde man seine Zeichen verstehen? Jenseits der üblichen Irritationen im Riesenraum funktionierte es jedenfalls.

Aus dem Chor lösten sich ausgezeichnete Solistinnen und Solisten: Maria Bernius (Sopran), Sigrun Bornträger (Alt), Jo Holzwarth (Tenor) und Felix Rathgeber (Bass) ergänzten die Sopranistin Johanna Winkel und den Tenor Sebastian Kohlhepp ebenbürtig.

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