Resistire

„Resistire“: Die Hymne zur Krise

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„Resistiré“: Mit einem alten Schlager machen sich die Spanier Mut.

Ich bin ein hartnäckiger Pessmist“, sagt Carlos Toro. „Ich glaube, dass diese Welt ein Misthaufen ist.“ Offenbar ist das die angemessene Grundhaltung, um den Text für ein Mutmachlied zu schreiben. Toro hatte gerade eine gescheiterte Beziehung hinter sich, als er diese Sätze aufschrieb: „Wenn sich mir die Auswege verschließen und die Nacht mich nicht in Frieden lässt, wenn ich Angst vor der Stille habe, wenn ich Mühe habe, auf den Beinen zu bleiben: Resistiré.“ Ich halte durch, „wie eine Binse, die sich biegt, aber immer standhaft bleibt.“ Das singen die Spanier jetzt. Das klingt abends um acht von den Balkonen.

Als das Dúo Dinámico das Lied 1988 einspielte, hatte die Zweimanncombo ihre beste Zeit lange hinter sich: Das war Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre. Für die Sängerin Massiel schrieben die Dúo-Dinámico-Männer Ramón Arcusa und Manuel de la Calva das Lied „La, la, la“, mit dem Spanien 1968 den Eurovision Song Contest gewann. 1972 machten die beiden Schluss. Aber dann brachte EMI 1980 eine Platte mit ihren alten Hits heraus. Sie verkaufte sich so gut, dass sich die Herren wieder auf Tour machten. Und schließlich noch einmal neue Lieder einspielten. De la Calva komponierte eine Melodie, die nicht verbergen kann, von Gloria Gaynors zehn Jahre älterem Song „I will survive“ inspiriert zu sein. Und der Sportjournalist und Liedtexter Carlos Toro fand die richtigen Worte dazu.

Das Lied riss niemanden vom Hocker. Bis es Pedro Almodóvar 1990 einfiel, seinen Film „¡Átame!“ damit enden zu lassen. Die Protagonisten, Antonio Banderas, Victoria Abril und Loles León, fahren einer Zukunft entgegen, von der sie hoffen, dass es eine bessere sein wird. So funktioniert das Lied: „Man muss das Leben leben, auch wenn es viele bittere Momente gibt“, sagte Carlos Toro vor ein paar Tagen. Und je bitterer die Momente, umso erfolgreicher das Lied.

An diesem Mittwoch kam die jüngste Version von „Resistiré“ heraus: Rund 30 spanische Popstars und 20 Musiker haben das Lied eingespielt, jeder bei sich zuhause, der Produzent Pablo Cebrián hat daraus eine Komposition gemacht, die deutlich besser ist als das Original – dieser Moment kurz vor Schluss, wenn José Mercé die Popnummer zu ergreifendem Flamenco verwandelt! Das ist Stoff nicht nur für eine spanische, sondern eine europäische Hymne gegen die Corona-Depression. „Und dann sehe ich das hier,“ schreibt Rosana, eine der beteiligten Sängerinnen, auf Twitter über das Video, „und fange an zu weinen.“

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