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Luca Salsi, hinten Pianistin Beatrice Benzi.

Liederabend Oper

Ein reizvolles Material

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Bariton Luca Salsi mit LIebesleidensfreude in der Frankfurter Oper.

Der Liederabend mit 25 Beiträgen von insgesamt 13 Komponisten in der Frankfurter Oper, gesungen von Luca Salsi, hatte, sechs Tage vor Heilig Abend, den Charakter einer vokalen Bescherung. Eine mit ziemlich ähnlichen Gaben auf dem Tisch, denn bis auf wenige Ausnahmen stammten die Lieder allesamt aus der Heimat des Sängers. Aus Italien, wo das Thema des Leidens an Liebe und des Leidens an Sehnsucht nach Liebe besonders schön verpackt wird.

Von Giuseppe Carpani über Giovanni Battista Belletti bis zu Ciro Pinsuti – viele der Namen waren nahezu unbekannt. Andere wiederum wie Ruggero Leoncavallo oder Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni höchst vertraut. In allen Fällen aber hatten die Kreationen im Format von Liedern eher Seltenheitswert – trotz der ihnen gemeinsamen Liebesleidensfreude.

Typisch war der fließende, in unkomplizierter Harmonik, aufgeräumt und unverquält sich darstellende Duktus: dankbare Sangbarkeit. Der kam die offene Formung der Stimme des 43-jährigen Salsi, die registerbruchlos beweglich ist, sehr entgegen. Ein reizvolles Material, dessen Flexibilität in der Dynamik sehr schön sein muss, durch eine wohl erkältungsbedingte Indisposition aber gefährdet war. Die sich bis zum Pianissimo dämpfende Höhe war brüchig.

Aber es sprach für Salsis Sangesethos, hier nicht nachzugeben, um sich mit Forcierung notentextverfälschend über die heiklen Partien hinwegzuretten. Das vokale Vabanquespiel gegenüber den eigenen Stimm-Ressourcen ging auf. Kein Abbruch war zu verzeichnen. Ja, den manchmal recht überschaubaren Liedverläufen brachte das Infragegestelltsein mancher Intonation eine Form der Bereicherung durch Gefährdung, die aufmerksamkeitsbildend wirkt.

Mit den drei Petrarca-Sonetten von Franz Liszt hätte sich jeder Sänger selbst in bester Verfassung eine ordentliche Herausforderung aufgehalst. Und gerade hier, wo mit großen Intervallsprüngen und diffiziler Tektonik Untiefen lauern, ging alles glatt. Beatrice Benzi war die pianistische Stütze, sehr genau im Zuspiel, nicht zu exponiert im dichten Klavierpart Liszts, sondern geschmiegt an den auf Nummer sicher gehenden Sänger. Der hatte sich schon geschnäuzt und zuletzt die Fliege vom Frackhemd gelöst. So kam dann sogar noch eine Zugabe zustande, die der „Nemico della patria“-Arie aus Giordanos „Andreas Chénier“ galt. Mit den mächtigen Schlussstrahlen seines Baritons wurde der Schlüsselreiz ausgelöst, der im Publikum vielen Kehlen ein Bravo entlockte.

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