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Cleo Tucker (l.) und Harmony Tividad alias Girlpool.
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Cleo Tucker (l.) und Harmony Tividad alias Girlpool.

Girlpool

Bei der reinen Lehre sind sie nicht geblieben

  • vonStefan Michalzik
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Man muss sich trotz eines kurzen Konzerts nicht betrogen fühlen bei Girlpool, alias Harmony Tividad und Cleo Tucker, im Frankfurter Zoom.

Streunerisch wirkt diese Non-Show, momentweise fast selbstvergessen. Die Songs sind einesteils träge schleppend und verhangen und zugleich dialektisch daseinsfreudig-beschwingt und druckvoll. Der Habitus ist der eines häuslichen Musizierens unter guten Freunden, mitunter entspinnt sich ein wüstes instrumentales Getümmel, das Assoziationen zum Free Jazz weckt, bis die Band nach einer Weile wieder unversehens in den nächsten Song hineingeflutscht ist. 2015 sind die in Philadelphia ansässigen kalifornischen Teenager-Freundinnen Harmony Tividad und Cleo Tucker, die als Duo Girlpool firmieren, für die Coming-of-Age-Songs ihres radikal Lo-Fi-kargen Gesang/Gitarre/Bass-Debütalbums „Before the World Was Big“ als das nächste große Ding gefeiert worden.

Bei der reinen Lehre vom Minimum sind sie nicht lange geblieben, für ihr nicht minder grandioses, aber klanglich fülligeres zweites Album „Powerplant“ haben sie einen Schlagzeuger angeheuert, nun sind sie mit einer – großartigen! – Band unterwegs, mit Station im Frankfurter Zoom. Neu in ihrem Kosmos sind neben dem Schlagzeug zuweilen bratzende Synthiesounds und ein für Popverhältnisse vergleichsweise freigeistiges Spiel auf dem Altsaxofon.

„Brave Mädchen“ sind die beiden nicht, aber darum nicht gleich Wiedergängerinnen der Riot-Grrrl-Bewegung der neunziger Jahre. Eher lässt sich von einer subversiven strategischen Naivität mit lässig-originellen Reimen sprechen. Auf Fotos spielen sie gerne mit unterschiedlichen Inszenierungen. Derzeit trifft neohippiesk (Tividad) auf burschikos-geschlechterüberschreitend (Tucker). Kann aber morgen alles schon wieder ganz anders aussehen. Anfang zwanzig sind sie inzwischen, die ganze Band strahlt noch immer etwas Teeniehaftes aus, ohne falsche Lieblichkeit freilich.

Die Songs sind folky melodiös, prägend sind die sich harmonisch-plärrig überlagernden Stimmen. Der auf die achtziger Jahre zurückgehende Gedanke „Indie“, an sich schon bis zur Unkenntlichkeit verwässert, findet sich hier in einer Form wieder, die sich den Ursprüngen annähert. Dabei sind Girlpool ausgefuchst genug, um etwas in seiner Ausprägung Ureigenes zu schaffen und nicht wie der Abklatsch von irgendetwas aus der Vergangenheit zu wirken.

Girlpool gehen nach nicht mehr als ungefähr einer Stunde ab. Die Alben dauern beide gerade mal um die dreißig Minuten – betrogen braucht man sich indes nicht zu fühlen, denn die Sache hat Charme und sie meidet dabei erfreulich den Faktor Niedlichkeit.

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