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Die Münchner Philharmoniker mit Valery Gergiev und Geigerin Janine Jansen in der Alten Oper.

Münchner Philharmoniker

Reduziert, überzart

  • vonBernhard Uske
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Die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev mit romantischen Ohrwürmern in der Alten Oper.

Auf Nummer sicher geht man momentan in Sachen öffentlichen Kunstkonsums nicht nur was die Hygienevorschriften, sondern in großem Maße auch was die Programmwahl anbetrifft. „Keine Experimente“ schien jedenfalls die Devise beim Gastspiel der Münchner Philharmoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Valery Gergiev in Frankfurts Alter Oper zu sein. Im Abstand von drei Stunden präsentierten die Musiker zweimal das gleiche, todsicher akzeptable Programm mit Felix Mendelssohn Bartholdys e-Moll-Violinkonzert op. 64 und Franz Schuberts h-Moll-Sinfonie Nr. 7, die man „Die Unvollendete“ nennt.

Ein Stelldichein auf dem Olymp der romantischen Ohrwürmer, dem das Orchester in üppiger Besetzung mit fünf Kontrabässen und exzellenten Holzbläsern Tribut zollte. Vereint mit der 42-jährigen Janine Jansen, der die Pflege der eingängigsten Exemplare dieser unsterblichen Gattung oblag. Schlanke, fast durchsichtige, fadenhafte Klanglebewesen, die man im nicht stark ausdifferenzierten Münchner Tutti-Biotop, trotz beträchtlichen Vibratos der Geigerin, fast mit der Lupe suchen musste.

Über weite Strecken entstand der Eindruck, die Musiker, die ohne Maske aufs Podium gekommen waren, hätten sich als Ausgleich für diese Lockerung auf eine Gehör-Bedeckung für alle geeinigt, so flächig, reduziert und überzart entwickelte sich das Klanggeschehen des 1844 vollendeten Konzerts. Ein schnell pulsierendes, mittelhohes Dauergeräusch im Saal hatte dabei die Chance, als atmosphärischer Orgelpunkt eine kuriose Rolle zu spielen.

Sicherlich bietet die Sitzplatzreduktion (statt 2400 nur 600 Plätze) Risiken und Nebenwirkungen der veränderten akustischen Umstände im jetzt supergroßen Saal. Aber das nicht Zündende des Vortrags verschwand auch nicht im Finalsatz, wo Unschärfen zwischen der Temponahme der Solistin und dem Tutti auftraten.

Ohne Pause ging es weiter mit der 1822 von Schubert über die zwei ersten Sätze hinaus nicht weiter verfertigten Sinfonie, deren Habitus Pate für die Mendelssohn-Interpretation Jansens und Gergievs gestanden haben mag. Was bei dem weltläufigen und aufgeräumten, hellen Violinkonzert nicht aufging, passte hier im langsam kreisenden Duktus des komponierenden Wienerwald-Wanderers durchaus. Eine gewissermaßen klassische Darstellung, nicht exzentrisch und expressiv geladen wie einst bei Nikolaus Harnoncourt, sondern in fülliger Mittellage. Die Zugabe der Fledermaus-Ouvertüre als Komplettierung der Ohrwurm-Dreifaltigkeit brachte dann doch noch eine dynamischere, wenngleich auch nicht sonderlich spritzige oder gar gepfefferte Note in das musikalische Sicherheitskonzept des Abends.

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