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Ray Chen und „The Knights“ in der Alten Oper Frankfurt: Formatwechsel mit beträchtlichen Folgen

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Von: Bernhard Uske

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Geigenvirtuose Ray Chen und das Kammerorchester „The Knights“ waren in der Alten Oper zu Gast. Foto: Rolf Oeser
Geigenvirtuose Ray Chen und das Kammerorchester „The Knights“ waren in der Alten Oper zu Gast. Foto: Rolf Oeser © Rolf Oeser

Ray Chen, das Kammerorchester „The Knights“ und das „Kreutzer“-Projekt in Frankfurts Alter Oper

Das Transkribieren von Musik in größere bis große Orchester- oder in kleinere Soloformate ist bis heute gängige Praxis, der sich viele von Franz Liszt, Gustav Mahler bis Arnold Schönberg und Hans Zender gewidmet haben. Dann kam der Purismus der angeblichen Authentizität, der mittlerweile sein Ziel in einer bestimmten Format-Sparte („Originalklang“) gefunden hat. An den „Knights“, einem New Yorker Kammerorchester mit gut 20 Mitgliedern, scheint der Klangsprachenregulierungswahn glücklicherweise vorbeigegangen zu sein. Die vergleichsweise jungen Leute kümmern sich offensichtlich wenig darum, was angemessen oder unangemessen ist, und nutzen alle Formate der Vergangenheit zum Zwecke einer ansprechbaren, greifbaren Akzeptanz.

Die feine Tonlinie

Das „Kreutzer“-Projekt wurde jetzt beim Pro-Arte-Gastspiel im Großen Saal der Alten Oper Frankfurt vorgestellt: mit allerlei Klangbezüglichkeiten rund um die A-Dur-Violinsonate Beethovens – genannt die „Kreutzersonate“. Dazu kam Leos Janáceks 1. Streichquartett, das den Titel „Kreutzersonate“ trägt. Ebenso eine Art Tolstoi-Paraphrase („Kreutzings“), die Colin Jacobsen geschaffen hat. In einem kurzen Cello-Konzert von Anna Clyne („Shorthand“) gab Cellistin Karen Ouzounian mit feiner Tonlinie die Solo-Stimme.

Spiritus rector der Knights-Transkriptionen, die sich eng an den Notentext der Originale halten und Extravaganzen meiden, ist Knights-Konzertmeister Colin Jacobsen (geboren 1978), derweil sein Bruder Eric Dirigent des Ensembles ist. Er hat Janáceks Quartett mit Michael P. Atkinson orchestriert: ein markanter Formatwechsel, der das Stück wie eine Zusammenfassung der typisch nervösen Rhetorik der Janacek-Opern klingen ließ.

Hauptereignis aber war der Auftritt des taiwanesisch-australischen Geigenvirtuosen Ray Chen mit der jetzt wohl besser Kreutzer-Concerto genannten Beethoven-Sonate. Ein fesselnder Solo-Tutti-Dialog, der zwar dem zweiten und dritten Satz von deren Redundanz nichts nehmen konnte, aber weniger beharrende Steifheit des Duktus erbrachte. Der erste, explorative Satz hatte vollgriffige Plastizität und bot temperamentvolle Makellosigkeit.

Chen spielte auch beim abschließenden „A Shadow Under Every Light“ von Colin Jacobsen, einem Arrangement von Tonaufzeichnungen, die Janácek 1910 in der Slowakei schuf. Teils mit berührenden Klängen der alten phonographischen Akustik, entwickelte sich daraus eine hübsch-heftige Klangsuada, die das Pro-Arte-Publikum begeisterte.

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