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Rainald Grebe.
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Rainald Grebe.

Rainald Grebe „Popmusik“

Rainald Grebe „Popmusik“: Unschlagbar grotesk

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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„Popmusik“, ein herrlich übertriebenes Album von Rainald Grebe.

Wenn man das Video zu Rainald Grebes Lied „Meganice Zeit“ so sieht, scheint das Auf-Tour-Sein auch nicht viel verlockender als das Locked-down-Sein. Da reisen zwei derart übelgelaunte Männer durchs Land, Hotelzimmer des Grauens, Badewannen der Tristesse. Aber das täuscht.

„Popmusik“, das ungefähr vierzehnte Album des fast fünfzigjährigen in Köln geborenen Uckermärkers Grebe, erzählt davon, wie das Leben ist, wie es sein wird und wie es hätte werden können. Also wie gewohnt. Und es transportiert verlässlich unwiderlegbare Weisheiten. Zum Auftakt gleich diese: „Die Nachtigall, die Nachtigall, die ist das beste Pferd im Stall.“

Da hat Rainald Grebe noch keinen Haken gemacht

Inwiefern „Popmusik“ nun etwas ganz anderes sein soll im Vergleich zu Grebes bisherigem Oeuvre, zu früheren Hits wie „Brandenburg“, „Thüringen“ oder „Der Präsident“, inwiefern dieses Album nun diese „eine Sache“ sein soll, „hinter die er für sich noch keinen Haken gemacht hat“ – das erschließt sich nicht direkt. Aber irgendwas müssen die PR-Leute ja dazuschreiben, und letztlich ist es auch egal. Letztlich ist nur eines wichtig: dass es Rainald Grebe ist, und somit unschlagbar grotesk.

Das Album:

Rainald Grebe: Popmusik. Tonproduktion Records/ Rough Trade.

Für dieses Album hat er sich die Hilfe der Band Fortuna Ehrenfeld gesichert, die dreiköpfig, aber ca. zwölfstimmig mitsingt in „Wissenschaft ist eine Meinung (die muss jeder sagen dürfen)“. Weitere Meinungen, etwa über Gaulands Hitler-Vogelschiss-Vergleich: „Früher waren das ein paar Verrückte, die saßen in der Bahnhofsmission. Heute sitzen sie im Parlament.“ Über die Rechten: „Wir sind die Guten und das sind die Schlechten.“ Über den Calvinismus: „Der Calvinismus ist schuld an der Erderwärmung, doch er führt uns auch wieder raus.“ Über den Adel: „Der Adel hat Disziplin. Eigentlich nur die Queen. Der Adel schützt die Umwelt, denn sie gehört ihm ja.“ Über die Sängerin Billie Eilish: „Billie Eilish, muss man die kennen? Und ich sag’ Eilish, freilisch.“

Rainald Grebe surft durch den Raum

Das Schöne an „Popmusik“: Grebe gibt allem den Anschein des Improvisierten, des Beiläufigen, er überlässt es dem Publikum, sich aufzuregen, und zu dem ganzen Wahnsinn unterlegt er seine Weltanalysen mit maßlos übertrieben dramatischer Musik. Höhepunkt: der Einsatz der Autotune-Technik in „Die Kraft der Pflanze“. Mysteriöser Klangteppich, das System lässt die Stimme durch den Weltraum surfen, während sie singt: „Hildegard! Liebstöckel! Akelei! Pimpinelle! Beere Him, Beere Brom! Lasset uns singen, Hildegard von Bingen!“

Grebe, der Kabarettist und Musiker, Schauspieler und Regisseur, holt für Berliner Open-Air-Auftritte schon mal 300 Leute auf die Bühne. 2017 klagte er gegen Toilettengebühren auf Autobahnraststätten. Mit anderen Worten: Er kann alles. Sogar verlieren – die Notdurft an Autobahnen kostet immer noch Geld.

Später auf dem Album schafft er es sogar, das Publikum noch zu rühren mit der Hoffnung auf Rosen im Sommer. Aber meint er’s ernst? Jedenfalls: „Wenn ich sterbe, singe ich weiter – als Hologramm“, verspricht Rainald Grebe in „Die Tournee (wird nie zu Ende gehen)“. Und das Video zu „Meganice Zeit“ zeigt am Ende leere Tournee-Locations und mit Flatterband gefesselte Spielplatztiere im Lockdown. Dafür haben die zwei Männer nun umso mehr Spaß in der Badewanne. Das ist auch was wert. Versteht man eigentlich „Meganice“, so ungesungen? Es handelt sich nicht um eine italienische Stadt, sondern um ein Kompositum aus mega und nice. Sehr, sehr nett.

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