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Amy MacDonald ist derzeit auf Deutschlandtour.

Amy MacDonald Konzert in Offenbach

Radiotauglich, schweißfrei und weichgespült

Die schottische Sängerin Amy MacDonald tritt in der Stadthalle Offenbach auf. Das Konzert bietet gestriegelten Mainstream-Pop in reinster Radiotauglichkeit.

Der nächste Song, sagt Amy MacDonald, falle anders aus als all die anderen, die sie selbst geschrieben hat. Es handelt sich um die auf Jackie Wilson zurückgehende Fünfziger-Jahre-R?’n’?B-Nummer „(Your Love Keeps Lifting Me) Higher and Higher“, die in den siebziger Jahren in der Version von Rita Coolidge noch einmal sehr populär war. Ein Unterschied in der Form des Songwritings ist offenkundig, die klangliche Anverwandlung durch Amy MacDonald aber fällt an diesem Abend durchaus nicht aus dem Rahmen.
Wenn einer der Musiker, in diesem Falle der Bassist, während vermeintlich „wilder“ Stellen ohne Unterlass in die Höhe hopst, ist das aller Popkonzerterfahrung nach kein gutes Zeichen. Es ist die erbarmungslose Ödnis eines produktionstechnisch auf Radiotauglichkeit hin gestriegelten Mainstream-Pops, die das Konzert in der Offenbacher Stadthalle ungeachtet einiger Balladen beherrscht. Alles – samt Einsatz der Stimme – ist auf den Live-Modus „etwas heftiger“ als in den Studioeinspielungen eingestellt. Musikalisch ist das kein Vorteil und wirkt gleichwohl völlig schweißfrei und weichgespült.

Die schottische Lena Meyer-Landrut

Ihre stärksten Momente entfaltet die seit dem Erscheinen ihres Debütalbums „This is the Life“ vor fünf Jahren ungemein erfolgreiche Popsängerin und Songwriterin in einer allein zur Schlaggitarre vorgetragenen Fassung ihres Stücks „Love Love“ von 2010, dem Beginn einer kleinen akustischen Serie. Da erscheint sie für einen Moment schon fast wie eine schottische Lena Meyer-Landrut: Jung – Jahrgang 1987 –, hübsch, harmlos.
Zugleich führt eine Linie zu Adele, der zweiten äußerst erfolgreichen britischen Sängerin der vergangenen Jahre: Beide verkörpern die Sehnsucht einer Publikumsgruppe nach „natürlichen“ Sängerinnen als Antipodinnen der oberflächenpolierten Kunstprodukte des landläufigen zeitgenössischen R?’n’?B.

In Interviews betont Amy MacDonald auffällig oft, was für ein langweiliges Leben sie führt. Diese betonte Durchschnittlichkeit lässt sich als Zeichen der Verbundenheit mit ihren Anhängern lesen. Es handelt sich mithin um eine weitere Neuauflage des klassischen Modells einer Sängerin der schweigenden Mehrheit.

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