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Peaches in Frankfurt

Radikalentertainerin

  • vonStefan Michalzik
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W-Festival in Frankfurt: Die Kanadierin Peaches rührt in St. Peter kräftig auf.

„Sexy feminism“? Peaches ist eine halbe Ewigkeit früher dagewesen als Beyoncé & Co., die sich nun alle verkaufsfördernd die Sache der Frauen auf die Fahnen geschrieben haben. Und sie hat es partout nicht mit den blank polierten Oberflächen. Zu Beyoncé verhält sie sich, sagen wir: wie die Guerilla zur bürgerlichen Protestbewegung.

Was für eine Show! Es ist (zumindest ungefähr) die gleiche wie vor anderthalb Jahren im Mousonturm, mit der die in Berlin lebende Kanadierin nun beim W-Festival – vormals Women of the World – in der Frankfurter Jugend-Kulturkirche St. Peter gastiert hat. Schadet im Grunde aber nichts, auch beim zweiten Anschauen noch wirkt sie umwerfend. Eine Wucht gleich der Auftritt als Diva der anderen Art im bizarr nach Art eines Tierfells zottelwuscheligen Kostüm mit einer riesigen Vulva als Kopfschmuck.

Was sich fürderhin abspielt, ist eine vollelektronische Quasi-Karaokeshow nach bewährter Art, auf einem kleinen Podest, flankiert von zwei Tänzerinnen, mit gelegentlichen Ausflügen auf Bodenstation, wo die allzeit kontrollierte Souveränin der Bühne sich kurz zur DJane wandelt und anheizerisch ein bisschen an den Knöpfen dreht.

Altern im Pop will gekonnt sein, gleich für Männer wie für Frauen. Peaches ist nun fünfzig, und sie schenkt sich nach wie vor nichts. Was für ein fulminanter körperlicher Einsatz! Gleich bei der ersten Nummer gleitet sie in den Spagat, später begibt sie sich auf eine waghalsige Exkursion aufrecht über den Köpfen des Publikums, Schritt um Schritt von einer tragenden Hand zur nächsten.

Harsche Electroclashbeats, ein Wechsel zwischen discoinfiziertem Gesang und Rap, sexuell herausfordernde Texte, in denen die Geschlechterrollen umcodiert werden. „Shake yer dix“ heißt es da anstelle des machismogetriebenen „Shake your tits“. Immer wieder spielt die Choreografie mit Nacktheit. Es ist, ganz ungeschönt, der Körper einer Frau dieses Alters, der sich da präsentiert. Gewissermaßen mit einem Stinkefinger wider die Diktatur des Ebenmaßes. In einer rotzigen Form ist das auch eine Ausstattungsrevue; gegen Ende beispielsweise ragt die gewaltige und von innen begehbare Andeutung eines Penis in Gestalt eines transparenten Kunststoffballons ins Publikum.

Augen wie Ohren wird mächtig etwas geboten, im Sinne eines bis zum Bersten krachenden Radikalentertainments. Das in seinem sechsten Jahr stehende, privatwirtschaftlich organisierte W-Festival präsentiert sozusagen Frauen aller Art in der Popmusik. Peaches sticht mit ihrem räudig aufrührerischen Ansatz hervor in einem brav „querbeet“ orientierten Programm.

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