Max Raabe auf neuen Wegen

Der Sänger Max Raabe hat sich vorgestellt, wie ein Komponist der 1920er die heutige Zeit verarbeiten würde. Herausgekommen ...

München. Der Sänger Max Raabe hat sich vorgestellt, wie ein Komponist der 1920er die heutige Zeit verarbeiten würde. Herausgekommen ist die CD "Küssen kann man nicht alleine", die Raabe mit Annette Humpe (Ich + Ich) produziert hat.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in München erzählt der Sänger, warum er nicht mit seinen Gefühlen nerven will und wie er inzwischen schon mit seiner öffentlichen Rolle verschmolzen ist.

Normalerweise spielen sie Lieder aus der Zeit der Weimarer Republik, jetzt haben Sie Popmusik geschrieben. Hatten Sie genug von den Liedern anderer Leute?

Max Raabe: "Ich werde nie genug davon haben, diese Lieder zu spielen. Aber auch die neuen Stücke stellen keinen Bruch dar, sondern passen genau. Ich habe mich gefragt: Wie klängen die Lieder der Komponisten aus den 1920er Jahren heute? Das ist die Idee dahinter: Dass man vor dem Hintergrund der Popmusik der letzten 30 Jahre etwas schafft, das eine konsequente Weiterentwicklung dessen ist, was mein Stamm-Repertoire ausmacht. Würde die Musik klingen wie ein altes Stück, das wär' für mich nichts weiter als Etikettenschwindel."

Wie kommt es, dass Sie mit Annette Humpe zusammenarbeiten?

Raabe: "Eines Tages rief Annette Humpe mich an: "Ich hab eine Zeile für Dich - Küssen kann man nicht alleine". Ich war richtig elektrisiert. Kein Mensch widerspricht dieser Tatsache, aber dass man es ausformuliert, ist wieder der Humor, den ich mag. Dann haben wir uns getroffen, sie hat mir die Melodie vorgespielt und dann ging das wie beim Ping-Pong-Spielen hin und her. Die Album-Version mit Orchester klingt ganz anders als die Pop-Version, größer und feierlicher, während wir ja ganz schmal und frech sein wollten."

Auch das neue Cover ist legerer als vorher. Hatten Sie genug von Ihrem strengen Image?

Raabe: "Es hätte kein typisches Frack-Cover gepasst, das hätte die falsche Aussage gegeben. Und die Kollegen kennen mich so. Ich bin zwar im Anzug, aber ich setze mich auf einen Bordstein oder lege mich irgendwohin, wenn ich müde bin. Anzüge finde ich sehr praktisch. Und mein Image ist das, was am wenigsten anstrengend ist. Ich finde es nicht nötig, auf den Mond zu zeigen, wenn man über den Abendhimmel singt. Die Leute kennen das doch alle selber. Ich würde denen nicht mit meiner persönlichen Gefühlswelt auf die Nerven gehen."

Könnten Sie Ihr Image überhaupt noch ändern oder sind Sie selbst schon zu sehr damit verschmolzen?

Raabe: "Ehrlich gesagt, ich komme nicht aus meiner Haut raus. Ich hab ja so angefangen zu singen, ohne dass mir jemand gesagt hat, wie ich das machen soll. So bin ich in der glücklichen Situation, mit meiner selbstverständlichen Haltung das ausdrücken zu können, was ich singen will. Ich hab das ja immer weit von mir gewiesen, aber ich fürchte, in meiner Rolle ist doch mehr von mir drinnen, als ich das immer wahrhaben wollte. Wenn das Orchester große virtuose Passagen hat, gehe ich immer an die Seite und höre zu. So ist das privat auch. Wenn wir in einer Runde sitzen, kann ich ganz lange zuhören. Meine Schulkameraden sagen: "Du warst schon immer so, jetzt fällt es halt mehr auf." Aber ich hab auf dem Schulhof auch immer mit den Rabauken gespielt, ich musste nicht immer nur mit Schöngeistern verkehren, im Gegenteil."

Interview: K. Antonia Schäfer, dpa (dpa)

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