Volbeat-Sänger Michael Schøn Poulsen beim Auftritt in Leipzig.
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Volbeat-Sänger Michael Schøn Poulsen beim Auftritt in Leipzig.

Volbeat in Frankfurt

Punkiger Prügelrock

Die dänische Metal-Band Volbeat spielt in der Frankfurter Festhalle.

Von Volker Schmidt

Wenn das „Elvis-Metal“ ist, hat der King die Drogen gewechselt, zu irgendeinem dunklen, bösen Zeug. Klar, Volbeat-Frontmann Michael Schøn Poulsen trägt Schmalz im Resthaar und Schmelz in der Stimme, aber die Rockabilly-Wurzeln ihrer Musik senkt die Band aus Dänemark so tief in den schwarzen Humus anderer Stile, dass sie in der Festhalle kaum noch zu hören sind.

Sänger und Gitarrist Poulsen kommt vom Death Metal, Gitarrist Rob Caggiano von der Thrash-Metal-Größe Anthrax. Dass Volbeat es seit der Gründung 2001 geschafft hat, aus den eingefahrenen Friedhofspfaden der Herkunftsgenres zu einem originellen Sound zu finden, ist in der klangkonservativen Metal-Szene eine große Leistung. Wie groß, zeigen die Vorgruppen: Crobot aus Pottsville, Pennsylvania mit grungigem Grooverock sowie Airbourne aus Australien. Die Band um den immerhin mit bonscottiger Stimme gesegneten Joel O’Keeffe und seinen Drummer-Bruder Ryan karikiert ironiefrei alle Metal-Konventionen: keine Mackermuckenpose fehlt, bis zum knienden Solo auf albern eckiger Klampfe. Dazu Stampf in diversen Tempi. Kreativer Höhepunkt: Joel O’Keeffe schlägt sich eine Bierdose am Schädel auf.

Mit Düstermetal zündeln

Volbeat hat mehr zu bieten: ein dichtes, knackiges Kraftpaket aus punkigem Prügelrock, melodiösem Gesang und Spurenelementen aus Country, Rock’n’Roll und Düstermetal. Johnny Cash ist neben Elvis und diversen Wild-West-Outlaws einer der Bandhelden. „Ring Of Fire“ lässt Poulsen das Publikum grölen, bevor er „Sad Man’s Tongue“ anstimmt, eine Hommage an den „Man In Black“.

Poulsens Refrains setzen auf einprägsame Mitjohl-Melodien, gern auch mal mit aufs Minimum reduziertem Ohohoho-Text. Das reduziert die Variationsbreite, ist aber klasse für die Stimmung. Aufforderungen zum Mitklatschen und Hoi-Hoi-Hoi-Rufen fallen auf fruchtbaren Boden.

Ebenso wie die Einladung zum Crowdsurfing-Contest: Der Typ, der als erster von Fan-Händen über die Köpfe zur Bühne bugsiert wird, bekommt eine Gitarre. Leicht desorientiert steht er damit herum, hätte wohl noch ein paar Worte erwartet. Hat seine Schuldigkeit getan, darf gehen.

Viel Zündmaterial verbrennen die Kopenhagener gleich zu Beginn: „The Devil’s Bleeding Crown“, ein Medley aus „Heaven nor Hell“, „A Warrior’s Call“ und „I Only Want to Be with You“ sowie der Radio-Hit „Lola Montez“. Die Tontechnik legt eine erstaunliche Lautstärke für Festhallen-Verhältnisse matscharm hin. Nur Poulsens Timbre fehlt ein wenig der gewohnte Tiefengrund.

Vor angedeuteter Friedhofskulisse krachen Songs mit Titeln wie „Hallelujah Goat“, „The Gates of Babylon“ und „Slaytan“ so metalmäßig rein (doppelte Bassdrum!), dass der szenetypische Vorwurf der Massentauglichkeit wunderlich wird. Songs wie „Doc Holiday“ und „Black Rose“ sowie „Seal The Deal“ vom im Sommer erschienenen Album „Seal the Deal & Let’s Boogie“ hebt die Band sich für die Zugaben auf. Wahrscheinlich ist es für distinktionsbewusste Metalheads schon Sünde genug, dass Volbeat vor ausverkaufter Festhalle spielt.

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