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Preoccuopations „Arrangements“: Alles schmeckt nach bitterem Ende

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Von: Stefan Michalzik

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Mike Wallace and Matthew Flegel in Kalifornien.
Mike Wallace and Matthew Flegel in Kalifornien. © afp

Die Preoccupations mit ihrem dunklen Album „Arrangements“.

Die Preoccupations sind passionierte Künder der Düsternis. Das hat einesteils eine lange Tradition in der Popmusik, die bis zu Black Sabbath und den Psychedelia Ende der sechziger Jahre zurückreicht, zum anderen lässt es sich natürlich auch als ein Zeichen dieser Zeit lesen. Und dass es ihnen um die Phänomene dieser Zeit geht, daran lassen die Preoccupations keinen Zweifel. „Es ist alles in Ordnung/ wir können die verdampfende Rasse des Homo Sapiens feiern/ die ihre kurze und glorreiche Existenz auslöscht“, heißt es zynisch in „Fix Bayonets!“, dem ersten Song auf „Arrangements“, dem neuen Album des kanadischen Postpunkquartetts aus Calgary, Alberta um den Sänger und Bassisten Matt Flegel.

Und vorher noch: Women

Gegründet wurde die Band 2012 unter dem Namen Viet Cong. Das führte wegen der Nähe des Namens zu der in einem Wort geschriebenen einstigen südvietnamesischen Guerillabewegung – wen wundert’s – zu Debatten unter den Vorzeichen Rassismus und kulturelle Aneignung. Nachdem 2015 ein geplantes Konzert am College in Oberlin, Ohio vor diesem Hintergrund abgesagt worden war, nahm die Band ihren heutigen Namen an. Drei der vier (männlichen) Mitglieder haben im Übrigen vorher bei Women gespielt – auch nicht der unanstößigste alle Bandnamen.

Musikalisch betrachtet liegt wiederum eine Wave-Düsternis nach Art der achtziger Jahre über den Songs von „Arrangements“. Ob ihres Sounds haben die Preoccupations sich von Anbeginn vor allem immer wieder den – triftigen – Vergleich mit Interpol zugezogen. Joy Division, besonders mit ihrem zweiten und letzten Album „Closer“ (1980), sind des weiteren als unverkennbare pophistorische Referenzquelle zu nennen. Sozusagen retropopgemäß ist es die als Standard vom Vinyl her bekannte Dauer von (nicht ganz) vierzig Minuten, über die sich die sieben Songs erstrecken, deren ausgedehntester, „Advisor“, bald acht Minuten dauert.

Das ALbum:

Preoccupations: Arrangements. Flemish Eye/Bertus.

Ein Songgerüst gibt es, zuweilen freilich ufert eine Nummer instrumental aus. „Recalibrate“ etwa läuft aus in einem über eine Minute langen klirrenden Riffgeflirr. Diesmal sind es wieder die Gitarren, die wie schon in den frühen Tagen um das Debüt „Viet Cong“ (2015) in erster Linie das Bild prägen und nicht so sehr die Synthesizer, wie zuletzt auf „New Material“ (2018).

Gleich in welche Richtung der Sound der Preoccupations gerade tendiert, gleich wie harsch er in der Vergangenheit verschiedentlich klang, melodiös sind die Songs in ihrem Kern schon immer gewesen. Als „labyrinth post punk“ hat die Band um Flegel, Scott Munro an Gitarren und Synthesizer, den Gitarristen Daniel Christiansen und Mike Wallace am Schlagzeug ihren Stil einmal selbst apostrophiert. Wie häufig seinerzeit im Post-Punk, ist auch hier eine gewisse Nähe zum Progrock zu attestieren.

Ließ das Debüt noch kräftige Einflüsse aus dem Industrial – Stichwort Throbbing Gristle – erkennen, sind diese auf „Arrangements“ in den Hintergrund getreten. Das Klangbild ist ein opulentes, mit reichlich Hall und Schichten von noisigen Rückkoppelungen. „Everything tastes like the bitter end“, singt Matt Flegel in „Ricochet“, alles schmeckt nach dem bitteren Ende. „Arrangements“ – das ist ein schillernder Titel, der sich nicht allein im musikalischen, sondern auch im gesellschaftlichen Sinne ausdeuten lässt.

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