Die deutlich entspannten Postcards.

Mousonturm

Postcards: Und dann einfach weitermachen

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Die sympathische Band Postcards aus dem Libanon bietet in Frankfurt Dramatisches und Undramatisches.

Sie würden mit ihrer Musik so gerne vermehrt in die Welt hinaus ziehen, schreibt der Frankfurter Mousonturm in seiner Ankündigung, wenn es nicht derart schwer wäre, von einem Land wie dem Libanon aus die benötigten Visa erteilt zu bekommen.

„Wie vom Campus eines US-Colleges ausgebüxt“ ist des weiteren an gleicher Stelle zu lesen – und das trifft den Nagel auf den Kopf. Stilistisch bewegt sich die vor sieben Jahren in Beirut gegründete Band Postcards auf gesicherten Pfaden. Und trat auf seiner Tournee zum Erscheinen des zweiten Albums, „The Good Soldier“, jetzt im Lokal des Frankfurter Mousonturms auf, das sich durch eine wunderbare Klub-Intimität auszeichnet. Viel macht in der westlichen Rezeption der Global Pop von sich reden, Musik, in der sich einheimische und angloamerikanisch geprägte Stile überlagern. Im Radio ist das kaum zu hören. Doch die lokalen Popszenen sind natürlich tausendfältig – und Postcards ist eine rein westlich geprägte Indiepopband.

Bei gedrosseltem Tempo

Das Trio hat sich auf das Mitte der achtziger Jahre aufgekommene Genre des Dream Pops besonnen, für das seinerzeit Bandnamen wie Cocteau Twins und My Bloody Valentine standen. Charakteristisch ist auch bei Postcards – jenseits der melodischen Prägung – vor allem das gedrosselte Tempo.

Zuerst riss dem Gitarristen Marwan Tohme an diesem Abend allerdings eine Saite. Einige Stücke spielte die Texterin, Sängerin, Keyboarderin sowie im Wechsel auch Gitarristin Julia Sabra alleine mit dem Schlagzeuger Pascal Semerdjian. Die Rhythmen sind schleppend, morriconehaft dramatisch wirkt das auf die Soundeffekte angelegte, mitunter dauercrescendierende Gitarrenspiel.

Die Band strahlt etwas Unaufgeregtes aus. Politisch äußern sich die drei an diesem Abend nicht; in der Ansage zum Song „Flying Saucers“ erzählt Julia Sabra jedoch von einem Bombenangriff an einem Samstagabend in Beirut – für einen Moment seien sie alle in Panik geraten, dann aber habe man einfach weitergemacht.

Ganz speziell im Übrigen erinnert der Sound von Postcards an den der Anfang der neunziger Jahre sehr populären Band Mazzy Star um die Sängerin Hope Sandoval und den kürzlich verstorbenen Gitarristen David Roback. Ein Fall von Epigonentum? Ja und Nein. Auf den ersten Blick ist die Nähe schon groß. Dann zeigt sich aber, dass der Postcards-Sound bei weitem nicht so schlafwandlerisch, weltvergessen und düster psychedelisch wirkt. Was diese sympathische Band macht, klingt so altmodisch wie frisch und von Song zu Song immens findungsreich – und es ist für einen wundervollen Konzertabend gut, mit einem herzlichen, nicht enden wollenden Applaus zum Schluss.

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