Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wie es sein sollte: Van Morrison live in Nashville.
+
Wie es sein sollte: Van Morrison live in Nashville.

Anti-Lockdown-Song

Van Morrison kritisiert Corona-Maßnahmen: Die Pose des Unangepassten

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
    schließen

Der Musiker Van Morrison echauffiert sich über den Lockdown und erntet Kritik.

Eine in den vergangenen Tagen häufig im Fernsehen ausgestrahlte Szene zeigt den argentinischen Fußballstar Diego Armando Maradona als Trainer seines letzten Clubs La Plata. Das Gehen fällt ihm sichtlich schwer, gestützt von seinen Spielern, bewegt er sich auf die Kamera zu. Ein letztes Mal zeigt er sich in der Pose des Anführers, umringt von Fans. Je weniger ihm das Leben gelang – so lauteten unisono die Kommentare zum Tod des Fußballers –, desto mehr wurde er geliebt. Drogenexzesse, Alkoholabstürze und der Einfluss der neapolitanischen Camorra – nichts schien seinen Ruhm schmälern zu können. Maradona flog die Zuneigung der Menschen noch zu, als die Götter sich längst von ihm abgewandt hatten. Die Abschiede von Maradona konnten auch als große Feiern des unsteten Lebens verstanden werden.

Van Morrison und Eric Clapton in der Kritik

Mit den Helden des Pop-Olymps ist man in diesen Tagen etwas weniger gnädig. Zwei Veteranen des weißen Blues, Eric Clapton und Van Morrison (beide 75), sahen sich zuletzt harscher Kritik ausgesetzt, obwohl sie sich doch nur solidarisch gegenüber darbenden Musikern zeigen wollten, die wegen der Corona-Pandemie seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr auftreten durften. An diesem Freitag soll das das Van Morrison geschriebene und von Eric Clapton gespielte Stück „Stand and Deliver“ auf den Streaming-Markt kommen, dessen Ertrag dann dem von Morrison gegründeten „Lockdown Financial Hardship Fund“ zu Gute kommen soll.

Das Schema ist hinreichend erprobt, die Prominenz wird hier als Transmissionsriemen für ein gesellschaftspolitisches Ziel eingesetzt. Die komplette Schließung des Konzertbetriebs könnte Musikerinnen und Veranstalter weltweit um deren künstlerische Existenz bringen. Auch hierzulande haben Kollegen wie Peter Maffay, Till Brönner, Nena oder auch der Schlagersänger Michael Wendler ihren Unmut über das aus ihrer Sicht unzureichende Problembewusstsein von Politikern und Politikerinnen artikuliert und sich öffentlich echauffiert.

„Stand and Deliver“: Lyrisch eher robust

Stand and Deliver“ ist nicht der erste Anti-Lockdown-Song des 1945 im nordirischen Belfast geborenen Van Morrison. Bereits im Herbst hatte er drei neue Stücke veröffentlicht, in denen er wenig Verständnis für die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie aufzubringen vermochte. In lyrisch eher robust daherkommender Diktion hat Morrison eine Haltung kundgetan, die ihn unweigerlich in die Nähe von Vertretern einer Anti-Politik brachte, die sich bei uns zuletzt als „Querdenker“ bezeichnet haben. „No more lockdown / No more government overreach“, heißt es in dem im Oktober veröffentlichten Stück „No More Lockdown“, das den Autor kaum als Anhänger des Gesundheitsschutzes ausweist: „No more fascist bullies / Disturbing our peace / No more taking our freedom / And our God-given rights / Pretending it’s for our safety / When it’s really to enslave.“

Der alte Grantler Van Morrison, der seit jeher ein künstlerischer Einzelgänger war und sich wohl gerade deswegen eine stabile Anhängerschaft aufgebaut hat, sieht sich seitens der politisch Verantwortlichen seiner Freiheit beraubt und wittert hinter dem Schutzgedanken gar eine bevorstehende Versklavung. Das ist natürlich starker Tobak und verheißt in Bezug auf den nächsten Titel „Stand and Deliver“, dass hier Widerstandsgeist gegen die corona-bedingten Einschränkungen mobilisiert werden soll.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Musikkritiker und -kritikerinnen rümpften ob solch emotionaler Aufwallungen die Nase und der irische Gesundheitsminister bezeichnete die Zeilen seines Landsmannes als gefährlich. Und nachdem bekannt geworden war, dass Morrison für seine Mission auch noch seinen alten Freund Eric Clapton ins Boot geholt hatte, wurde dieser einmal mehr mit bald 40 Jahre alten Äußerungen konfrontiert, mit denen er dafür votiert hatte, Großbritannien weiß zu halten. Clapton hatte später wiederholt beteuert, kein Rassist zu sein, und seine Sätze auf eine schlimme Phase des Drogenkonsums zurückgeführt.

Einfach nicht aufgeben

Wenn man sich als treuer Hörer der beiden Popgrößen nicht gleich kulturkämpferisch in Stellung bringen will, dann kann man Morrisons Anti-Lockdown-Songs als trotzigen Ausdruck einer Pose ewiger Unangepasstheit verstehen, die man zum Ende einer an Exzessen reichen Karriere nicht einfach aufgeben will.

Im Begleittext zu seiner Initiative klingt der Morrison-Sound auf dessen Homepage aber beinahe zugewandt und versöhnlich: Da kein Ende der Maßnahmen in Sicht sei, rufe er die Regierungen zur Zusammenarbeit mit den Vertretern des Live-Musik-Sektors auf. Eric Clapton wiederum lobte im Magazin „Variety“ die Initiative seines Freundes Van The Man: „Wir müssen uns wehren und unsere Stimme erheben, um aus dieser misslichen Lage herauszukommen.“ Von der Erinnerung allein könne die Live-Musik nicht überleben.

Und das unangenehm quer Gedachte und Gedichtete? It’s only Rock’n’Roll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare