+
Die Philharmonie Merck im Wiesbadener Kurhaus.

Wiesbaden

Pomp am Abgrund

  • schließen

Die Deutsche Philharmonie Merck spielt einen etwas übermächtigen Mozart und einen wunderbar detailreichen Mahler.

Die 125 Jahre zwischen Wolfgang Amadeus Mozarts Haffner- und Gustav Mahlers 7. Sinfonie wurden beim Neujahrskonzert der Deutschen Philharmonie Merck deutlich verkürzt. Mit doppelten, also je vier Holzbläsern, dazu sechs Kontrabässen im Streichermeer klang Mozarts Musik im Wiesbadener Kurhaus nach 19. Jahrhundert, wie es nur noch selten zu hören ist. Eine Abwechslung, keine plausible Alternative, in der Durchführung unter Chefdirigent Ben Palmer allerdings dennoch leichtgängig und vor allem von opernhafter Lebendigkeit.

Im Zentrum dann Mahler, für den die Bühne nur noch etwas voller werden musste. Die 7. wird verhältnismäßig selten aufgeführt, ihr selbst für Mahlers Verhältnisse komplizierter Verlauf, von fahlen Strecken, einem schwer angeschärften Sinn fürs Parodistische und einigen bombastischen Ausbrüchen geprägt, mag ein Grund dafür sein. Jedenfalls ist der landläufige Beiname „Lied der Nacht“ der unzulängliche Versuch einer Einordnung, auch wenn es an Nächtlichem gewiss nicht fehlt.

Palmer und seinen Philharmonikern gelang es nun aber ganz ausgezeichnet, einerseits mit dem wuchtigen ersten Satz die große Orchestermaschine anzuwerfen und sie donnernd voranwalzen zu lassen, andererseits tausend Details wie beiläufig herauszuarbeiten (Palmer tritt als angenehm unangestrengt wirkender Dirigent auf). Großartig die markerschütternd dreinfahrende Solotrompete, nachher auch die geisterhaft wegflitschenden Streicherpassagen, überhaupt immer wieder die tanzbaren Musiken für Gespenster. Dazu bizarre Janitscharenmusik und abgründiger Pomp. Etwas irritierend, aber wohl notwendig das Luftschnappen und Nachstimmen zwischen den Sätzen.  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion