+
Klangbilder immer im Blick: Iggy Pop 

Iggy Pop 

„Free“ von Iggy Pop: Es ist ihm passiert

  • schließen

Das neue Album von Iggy Pop heißt „Free“, und das betont der Musiker und Meister denn auch mehrfach.

Zuletzt, auf „Post Pop Depression“ von 2016, hatte sich Iggy Pop unter dem Mittun von Josh Homme von den Queens of the Stone Age und Mark Helders von den Arctic Monkeys an Gitarre und Schlagzeug auf den klassisch riffgetriebenen Rock besonnen, was ihm einen der spektakulärsten Chartserfolge seiner Karriere bescherte. Davor jedoch hatte er sich auf „Préliminaires“ (2009) und „Après“ (2012) auf die abseitigen Pfade des französischen Chansons begeben und die „Raw Power“ – so der Titel eines frühen Albums mit seiner Protopunkband The Stooges“ – nur noch bei den wie ehedem markenzeichenhaft expressiven Bühnenauftritten zelebriert.

Ein paar Rocknummern – mit allerdings nicht sonderlich krachender Gitarre – gibt es auf „Free“, dem programmatisch überschriebenen 18. Soloalbum des heute 72-Jährigen zwar auch. Kennzeichnend sind jedoch vor allem Ambientsounds mit einer hallig-atmosphärischen Räumlichkeit des Klangs. Als Produzenten hat Iggy Pop den Jazztrompeter Leron Thomas engagiert, der zusammen mit der als Noveller firmierenden Gitarristin Sarah Lipstate das Klangbild wesentlich prägt. Für das Gros der zehn Nummern auf gerade mal 35 Minuten hat Thomas, zu einer auch Lipstate, die Texte geschrieben; von Pop selbst stammen gerade mal drei.

Nur ein Satz im Titeltrack

In der Titelnummer spricht Iggy Pop nicht mehr als den einen Satz „I wanna be free“. Besser gesagt: Er formt die Worte, mit seiner brüchig klingenden, markant tiefergelegten Stimme. Es folgt eine längere instrumentale Passage mit flächenhaften Klängen vom Synthesizer, über denen Leron Thomas mit der gestopften Trompete improvisiert. Schließlich ein weiteres mal der Satz: „I wanna be free … free“. Das war’s.

Es schließt sich eine Reihe von recht klassischen Songs an, wie „Love’s Missing“ mit seiner Crescendogitarre oder das vorab als Single veröffentlichte „James Bond“, das von einem markanten Bassriff getragen wird. Der hochgespannte dunkle Ambientsound von „Sonali“ erscheint wie ein Gruß an David Bowie und sein furioses Lebensabschiedswerk „Black Star“. 

Iggy Pop: Free.

Mit „Glow in the Dark“ in der Mitte des Albums wechselt Iggy Pop zu einer rezitierenden Form des Vortrags von ungemeiner Intensität und Faszinationskraft, was auch für die Musikalisierung des Dylan-Thomas-Gedichts „Do Not Go Gentle Into That Good Night“ gilt. Mit Blick auf das reduzierte Klangbild stellt der an Minimalisten wie Terry Riley und La Monte Young geschulte amerikanische Trompeter Jon Hassel eine Referenzgröße dar.

Mag „Free“ auch aus dem Rahmen fallen, ganz ohne Vorbild im Werk von Iggy Pop ist die musikalische Ästhetik nicht. Schon in einigen Nummern auf „Avenue B“ von 1999 hat Pop die Texte mit einer Sprechstimme über Klangflächen rezitiert, die hier zwar auf Streicher zurückgehen, die musikalische Parallele indes ist unverkennbar.

Das Album „Free“, schreibt Iggy Pop in den Linernotes, sei ihm „passiert“, und im Übrigen sei das Gefühl der Freiheit in einer noch unbedingteren Art wichtiger als Glück und Liebe. Von „Free Form Music“ hat Pop mit Blick auf die Zeit mit den Stooges in „Gimme Danger“, Jim Jarmuschs Dokumentarfilm über die Band, schillernderweise gesprochen. Eine Freiheit der Form als Ausgangspunkt ist tatsächlich abzulesen an dem nun vorliegenden grandiosen Meisterwerk.

Herbert Grönemeyer in Frankfurt: Er rennt und rennt
„The New Adventures of ... P. P. Arnold“ istein Album voll Leichtigkeit und Frische.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion