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Mit Zug ins Große: Pink Floyd. Foto: Warner Music

Pink Floyd: "The Division Bell" in der Super-Box

Es muss schon eine ziemliche Viecherei gewesen sein, die riesigen Metall-Köpfe auf das Feld zu schleppen, um sie für das Cover des letzten Pink-Floyd-Studioalbums "The Division Bell" zu fotografieren.

Es muss schon eine ziemliche Viecherei gewesen sein, die riesigen Metall-Köpfe auf das Feld zu schleppen, um sie für das Cover des letzten Pink-Floyd-Studioalbums "The Division Bell" zu fotografieren.

Ein paar Fotoassistenten wuchteten die beiden schweren 3-Meter-Kolosse über einen schlammigen Acker in Cambridgeshire. Ihre Miene verfinsterte sich noch, als ihnen mitgeteilt wurde, dass sie das falsche Feld gewählt hätten. So erzählt es zumindest Floyd-Schlagzeuger Nick Mason in seinem wunderbaren Erinnerungsbuch "Inside Out".

Designer Storm Thorgerson, Pink Floyds Cover-Gestalter Nummer eins und mit allen Band-Mitgliedern seit Jugendtagen befreundet, bekam schließlich sein Foto, das zur Ikone wurde. Die totemistischen Metall-Köpfe, beide etwa 1500 kg schwer, haben später ihren Platz im Rock and Roll Hall of Fame and Museum in Cleveland, Ohio gefunden.

Bei Pink Floyd war schon immer alles etwas größer, aufwendiger, übersteigerter - und monströser. Hier wurde groß gedacht, groß gestaltet und breitwandig inszeniert. Alles auf Überwältigung und Schaulust ausgerichtet.

Ein echter Monolith ist auch das Package zum 20-jährigen Jubiläum des Albums "The Division Bell", das aus Sessions auf David Gilmours Hausboot hervorging. Eine fulminante Box, die sich vor allem an Vinyl-Liebhaber und Sammler schöner Bilder richtet. So gibt es etwa das Original-Album als Doppelvinyl im Klappcover, Single-Repliken in buntem Vinyl und Audio-Alternativen. Das hat was von Retro-Chic - und das passt ja auch nicht schlecht zu dem Album, das seine Anknüpfungspunkte eher in der Vergangenheit hat.

"Stilistisch hätte dieses Album auch schon vor 15 Jahren aufgenommen sein Können, was die Würde dieser Musik allerdings in keiner Weise mindert", schrieb damals der Kritiker der "New York Times".

Anfang der 90er Jahre hatten Pink Floyd noch nicht viel gerissen, aber mit "The Division Bell" setzten David Gilmour, Rick Wright und Nick Mason 1994 mit ihrem Rückgriff auf bewährte Muster noch einmal ein Ausrufezeichen, auch wenn die Kritiken durchaus durchwachsen waren. Gleichwohl landete das Album, das sich rund zwölf Millionen Mal verkaufte, weltweit in den Charts ganz oben.

Vor dem Hintergrund sphärischer Klänge werden musikalische Themen von Sologitarren oder Klavier ausladend interpretiert. Die meisten Texte kreisen um innere Befindlichkeiten ("Wearing The Inside Out"), zwischenmenschliche Beziehungen ("Coming Back To Life") oder Kommunikationsprobleme ("Keep Talking").

Auch auf ihrem letzten Album haben Pink Floyd den "Crazy Diamond" Syd Barrett mitgeschleppt. Koautorin Polly Samson, die mit David Gilmour verheiratet ist, erklärte, dass der Anfang des Songs "Poles Apart" auf den legendären Mitbegründer der Band, der schließlich dem Wahn verfiel, verweisen würde: "Did you know...it was all going to go so wrong for you". Gefolgt schließlich von einer mutmaßlichen Abrechnung mit Roger Waters, der Pink Floyd 1985 im Streit verlassen hatte und so auf "The Division Bell" doch noch ein Plätzchen gefunden hat. (dpa)

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