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Alte Oper Frankfurt

Pierre-Laurent Aimard und Joachim Kühn in der Alten Oper: Zwei Klangsysteme, ein Medium

  • VonBernhard Uske
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„Klavierlandschaft“ in der Alten Oper Frankfurt: Pierre-Laurent Aimard spielt Klassisches, Joachim Kühn improvisiert dazu.

Joachim Kühn, einer der am meisten beachteten Jazzpianisten, ist das Fusion-Spiel gewohnt und hat es mit vielen, ganz unterschiedlich disponierten Persönlichkeiten und Ensembles praktiziert – mit Ornette Coleman genauso wie mit dem Leipziger Thomanerchor oder Michael Wollny. Für Letzteren sprang der 1944 in Leipzig geborene Kühn jetzt beim Fratopia-Festival der Alten Oper ein.

„Klavierlandschaft“ lautete der Titel des Abends im Großen Saal, der neben dem Einspringer Kühn mit einem der Stars des klassischen und zeitgenössischen Klaviers aufwartete, Pierre-Laurent Aimard. In einem Programm, das sich als Parcours der beiden Klaviergenres in Gestalt eines reißverschlussartigen Vortrags darstellte. Auf jeweils ein Werk klassischer Provenienz folgte eine Improvisation Kühns, die nicht als jazzoide Durchlauferhitzung erfolgte, sondern in aufgebrochener, Motivpartikel aufgreifender Konstruktivität. Ein Parcours war das im wörtlichen Sinn, denn Aimard wanderte mit seinen Beiträgen von Orgelportativ über Cembalo und Celesta bis zum Flügel, die allesamt im Parkett und auch im oberen Rang aufgestellt waren. Das Publikum darum und dazwischen platziert in einer vergleichsweise offenen Sitzanordnung. Kühn am Flügel war im Zentrum des Ganzen dauerstationiert – gewissermaßen das aufnehmende und reagierende Medium gegenüber den von verschiedenen Seiten und aus verschiedenen Entfernungen einströmenden Klangbildungen. Von Johann Sebastian Bach (Schlusschoral Johannespassion, Contrapunctus 1 aus „Kunst der Fuge“), Domenico Scarlatti über Franz Schubert (Deutsche Tänze, Ländler, Walzer) bis zu György Kurtágs Klang-Epigrammen, Olivier Messiaen und Pierre Boulez ging der klassische Verlauf, in den sich Kühn mit höchst unterschiedlichen Intonationen einschaltete. Das vegetative Klangnervensystem des klassischen Jazz mit seinen rhythmischen Pulsationen blieb dabei auf zwei, drei Beiträge begrenzt und bekam unter dem Titel der fünften Kühn-Intermission „Phrasen“ fast eine ironische Note.

Zuletzt, bei Messiaens zehntem der „Vingt regards sur l’Enfant-Jesus“ („Zwanzig Blicke auf das Jesuskind“) – „Regard de l’Esprit de Joie“ („Blick des Geistes der Freude“) – kam es dann zur echten Fusionierung der beiden Klangsysteme, bevor der Abend mit dem ersten Satz aus der „Première Sonate“ von Pierre Boulez endete. Hier wie auch bei Messiaen hatten sich die beiden Akteure im Gestaltungsduktus völlig angenähert. Und dokumentierten ihre Qualität mit einigem Tastenrauschen, das aber nicht zur Klangspülung geriet.

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