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Danae Dörken im Fürst-von-Metternich-Saal Schloss Johannisberg.

Rheingau Musik Festival

Danae Dörken beim Rheingau Musik Festival: Quer tanzen

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Die Schönheit in allen Dingen: Pianistin Danae Dörken stellt sich beim Rheingau Musik Festival vor.

Die 27-jährige deutsch-griechische Pianistin Danae Dörken, in Wuppertal geboren, kann man sonst auch gemeinsam mit ihrer 23 Jahre alten Schwester Kiveli erleben, mit der sie außerdem 2015 ein Musikfestival auf der Insel Lesbos gegründet hat. In einem finanziell ruinierten Land, an einem Ort, der damals zum Zentrum der Fluchtbewegung über das Mittelmeer wurde: Das mag sonderbar wirken. Aus Sicht einer Musikerin ist es das, was sie tun und anbieten kann.

Mit ihrem Debüt beim Rheingau Musik Festival eröffnete Danae Dörken jetzt nicht nur die Kammermusikkonzerte auf Schloss Johannisberg in diesem Sommer, sondern auch die Reihen „Courage“ und „Next Generation“. Auch wer sich mit solchen Titeln schwer tut, sehr schwer, wird sie verkraften, wenn Persönlichkeiten wie Dörken ins Spiel kommen. Couragiert auch ihr Klavierspiel, ungemein ansprechend das Programm, nämlich ein (wenn man so will und Chopin zu Polen rechnet) Sieben-Nationen-Gang durch europäische Klaviermusik, vieles tanzbar.

Wirklich beherzt war Dörkens Anschlag in einer Chopin-Polonaise zum Auftakt, wo das Harte und Weiche noch blockhaft aneinanderstießen. Das wich aber dem Eindruck einer bloß fast grenzenlosen Breite von Möglichkeiten, eigenwillig, selten manieriert eingesetzt. Als zweiter machte der Grieche Manolis Kalomiris (1883-1962) gute Figur mit einer geradezu flimmernden Nocturne und einigen attacca angehängten und mit Verve gespielten Präludien (ohnehin zeigte sich Dörken als hochkonzentrierte, aber auch unprätentiöse Darstellerin, die keineswegs nach jedem Zwischenbeifall von der Bühne ging). Charakteristisch für das gesamte Programm, wie hier das rhythmisch und harmonisch Verquere doch im herkömmlichen Sinne schön und leichtgängig war.

Kalomiris hätte noch längerfristig imponiert, wenn nicht wiederum direkt hinterher „Rumänische Volkstänze“ von Béla Bartók mit weit weniger Noten noch mehr Effekt gemacht hätten. Die Pianistin stellte sich auch hierauf sofort ein mit einer abgefeimten, federleichten Unmittelbarkeit.

Nach der Pause folgte ein interessanter Block mit Franz Schuberts „Zwölf Deutschen Tänzen“, die in dieser Umgebung fast ironisch eine (bekanntlich völlig vergebliche) deutsche (Pseudo-)Sehnsucht nach Unkompliziertheit vertraten. Etwas viel Schall dann für Edvard Grieg, während Francis Poulencs „Huit Nocturnes“ erneut Dörkens Sinn für knochenlos geisterhafte Erscheinungen demonstrierten. Alles Scharfe fällt von ihrem Spiel ab, wenn sie es nur will.

Zum Abschluss mit Manuel de Fallas „Feuertanz“ aus dem Ballett „El amor brujo“ war das Klavier praktisch nicht genug für diese extreme Authentizität und Triftigkeit anpeilende Leidenschaft. In den Zugaben wurde diese Herbheit kontrastiert durch Liszts Rigoletto-Paraphrase, einem becircenden Stück, zu dem das schamlose „Seht her, was ich kann“ dazugehört.

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