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Museumsorchester

Pianist Martin Helmchen: Eine Andacht, eine Attacke

  • VonBernhard Uske
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Pianist Martin Helmchen mit dem Museumsorchester in der Alten Oper

Wer alles auf eine Karte setzt und gegen die Bank spielt, der muss auch mit hohen Verlusten rechnen. Die Glückssträhne kann reißen. Und wenn man dabei nicht mit drauf ging, muss man neu beginnen. Im 2. Sinfoniekonzert der Museumsgesellschaft in Frankfurts Alter Oper gab es ein rein romantisches Programm mit Werken von Edvard Grieg und Robert Schumann. Dazwischen das g-Moll-Klavierkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Hier trat der 39-jährige Martin Helmchen als Solist auf, einer der exponiertesten deutschen Pianisten, und er machte seinem Namen alle Ehre. Ein Einstieg ins Werk allein schon, dass einem die Ohren wackelten, ein Furor sondergleichen. Der sonnige Komponist ein junger Wilder, hier von einem Vabanque-Spieler vermittelt. Unbändig in seinen rauschenden Ausgriffen unter der ebenso heftigen Tutti-Direktion Kazuki Yamadas, des 42-jährigen japanischen Dirigenten. Ein perfekter Rahmen mit bebenden Rhythmen und Akkord-Schlägen. Natürlich kann Helmchen auch ganz anders und das Andante des 1831 vom damals 22-jährigen Komponisten geschaffenen Satzes bot Helmchen Gelegenheit zu exzeptioneller Distinktion und zarter Pointiertheit. Eine Andacht ohne Worte, ein verinnerlichter Hymnus.

Das finale Presto ist ein vergleichsweise kurzer Satz, und Helmchen sagte später zum Publikum, er sei so kurz, dass man ihn um etwa ein Drittel verlängert habe. Unfreiwillig versteht sich, denn hier erzwang die konzertante Attacke den Abbruch der Aufführung. War es ein Missverständnis oder eine nicht eingehaltene Strich-Wiederholungs-Verabredung: der Pianist sprang mitten im auseinandergeratenen Spiel zum Dirigentenpult, verwies dort auf Partiturseiten und setzte sich mit einem beherzten „wir fangen nochmal an“ wieder vor die Tasten.

Man schien ihm für den verlängerten Genuss des gewaltigen Tönewirbels Mendelssohns dankbar zu sein; auch für die Unterbrechung selber, denn jetzt war auch bei der letzen Konzerthörerin, dem letzten Konzerthörer alle Morgenmüdigkeit im 11-Uhr-Termin wie weggeblasen. Dass Helmchen seine Zugabe mit dem Bach-Präludium „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“ bestritt, war da mehr als sonntägliche Geschmacksgefälligkeit, vielmehr fast schon eine Gebetsintention.

Edvard Griegs Holberg-Suite war zuvor in feiner, wenn auch nicht sonderlich expressiv gestalteter Interpretation vermittelt worden. Und auch die abschließende 3. Sinfonie „Die Rheinische“ Schumanns ließ im blendend aufgelegten Museumsorchester idiomatisch gesättigte Klangbilder nicht wirklich entstehen.

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