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Alte Oper

Das Phlegma abtrainiert

  • VonBernhard Uske
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Das Genter B?Rock Orchestra, auf Originalklang spezialisiert, bietet in Frankfurts Alter Oper fein ausdefinierten Schubert und Mozart.

Ein besonders klassisch programmierter Ablauf stand bei einem Alte-Oper-Konzert im Großen Saal des Frankfurter Hauses an mit zwei Schubert-Sinfonien und einigen Konzertarien Wolfgang Amadeus Mozarts.

Ganz unklassisch dagegen wirkte der Name des annoncierten Ensembles: B’Rock Orchestra aus Gent. 40 Musiker aller Instrumentalgattungen mit Originalklanghintergrund unter der Leitung des Alte-Musik-Pioniers René Jacobs. B’Rock – eine Orchester-Marke, welche die für die Alte-Musik-Bewegung so wichtige Barock-Epoche wohl mit populärer Relevanz und stichhaltiger Zeitgenossenschaft glaubt verbinden zu müssen.

Sicherlich war das Frankfurter Konzert nicht typisch für die sich auch in Randbereichen und Synthesefeldern anderer Kunst- und Medienformate bewegenden Aktivitäten der Musiker. Man sah hier auf dem Podium das übliche gepflegte Schwarz und die korrekt gehandhabten historischen Instrumente. Das „Berockende“ schien allein darin zu bestehen, was man historisch informierte Aufführungspraxis nennt. Und womit man den Ton der Schubertschen Sinfonien Nr. 1 (des 16-Jährigen) und Nr. 6 (des 20-jährigen Komponisten) aus dem geläufigen Sinfonieorchesterklang herausheben wollte.

Wirklich neu ist das nicht, denkt man an die schon fast Jahrzehnte zurückliegenden Schubert-Auffrischungen eines Eliot Gardiner und Nicolaus Harnoncourt. Zwischen diesen Originalklang-Gründervätern und Jacobs Zugriff waren dann aber doch einige Unterschiede auszumachen, setzt der 71-jährige B’Rocker aus Gent doch bei seinem Schützling aus dem Wienerwald auf schlankeste Figur, auf fast durchsichtige Instrumentalbekleidung und federleichte Beweglichkeit.

Wo die alten Barock-Spezialisten das Schubertsche Klanggewebe strafften, massierten und zum Schwitzen brachten, setzt René Jacobs auf eine ausdefinierte, fasertiefe, sixpack-reife Kontur. Hier ist dem Klangkörper alles sanges- und wanderfrohe Phlegma dank Abstinenz im orchestralen Fitness-Studio abhanden gekommen. Ein Verdienst instrumentaler Trainer, die ein Höchstmaß an Vifheit, an blitzschneller Reaktion für noch die kleinsten Abweichungen und Unterbrechungen im Verhalten ihres Kunden aufweisen.

Ähnlich war es nun in Frankfurts Alter Oper bei den Mozart-Arien, darunter waren echte Herausforderungen wie „Ah se in ciel“, KV 538, denen sich Robin Johannsen mit schönem, fast immer unangestrengtem Sopran selbst bei den halsbrecherischen Koloraturen stellte. Sie sang mit Ausdruck und nie verhärtet in der Tonbildung, und in der gestisch gefassten und ausdifferenzierten Orchestergrundierung involviert.

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