Alte Oper Frankfurt

Pfeifentriller und Feuerspeier

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Manfred Honeck und das hr-Sinfonieorchester lassen Werke von MacMillan, Walton und Tschaikowsky hören.

Seit zehn Jahren ist Manfred Honeck Music Director des Pittsburgh Symphony Orchestra, dem er eine Ausdrucksgestaltungskraft verliehen hat, die höchst beachtlich ist. Ein Klanggestaltenschöpfer von Gnaden, der mit Artikulationsintensität Formbewusstsein verbindet. Und der dabei zu deutenden Inszenierungen der Klangverläufe motiviert, die sehr evident in der Gesamtdramaturgie der jeweiligen Werke funktionieren. Solche Formen der Ausdruckssättigung und Klangkultivierung wurden durch Honeck jetzt auch beim hr-Sinfonieorchester entfaltet, bei dem der 59-jährige Dirigent zu Gast war.

Beim Sinfoniekonzert des Hessischen Rundfunks in der Alten Oper Frankfurt erklang zu Beginn „Britannia“, ein knapp viertelstündiges Werk des 1959 geborenen Schotten James MacMillan aus dem Jahr 1994. Ein zeitgenössisches Klangbild mit Trillerpfeifen, Autohupen, Peitschenschlägen und den passenden Folklore- sowie National-Idiomen bis hin zum „God Save the Queen“ und Zitaten aus Werken Edward Elgars. Alles bunt durcheinandergewürfelt, jedoch dabei immer fasslich und bei aller harmonisch-tektonischen Sperrigkeit nachvollziehbar und illustrativ. In gewisser Weise war dieser ästhetische common sense selber noch Bestandteil des Titels „Britannia“.

Das „Konzert für Viola und Orchester“ William Waltons von 1929, das der 1902 geborene Komponist 1962, gut zwanzig Jahre vor seinem Tod, neu fasste, war gegenüber der nationalen Gaudi MacMillans von neo-klassizistischer Gehobenheit, die sich in ebenso melodiösen, wie barockisierend-repetitiven Spielzügen erging. Ein breiter Ton war dem Solo Antoine Tamestits eigen, gegenwärtiger Residenzkünstler beim Hessischen Rundfunk. Die in der Aufführung verwirklichte Üppigkeit des Klangs lag aber auch am von Honeck beflügelten Tutti der hr-Sinfoniker.

Das alles aber war nichts gegen die 5. Sinfonie Peter Tschaikowskys, in der das Orchester wie vollends entfesselt wirkte. Als hätten sich die Deftigkeiten MacMillans und das neo-klassische Formgefühl Waltons ein gemeinsames Spielfeld samt einem sprachmächtigen Kombattanten gesucht, so peitschten die hr-Sinfoniker die Klangverläufe des russischen Misanthropen und ließen sie andererseits fast bis zur Unhörbarkeit verdünnt schweben. In jener Tschaikowsky-Kreation, die so positiv und undesaströs sein wollte wie keine andere.

Manfred Honecks Orchester-Massage wurde mit ungemein dichtem Streicherglanz, mit brillantesten Hörnern und schier Feuer speienden Holzbläsern gedankt.

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