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Ausnahmemusiker Tom Petty am 17.09.2017 beim Kaaboo Festival in San Diego.

"Heartbreakers"

Tom Petty ist tot

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Ausnahme-Musiker Tom Petty stirbt überraschend an einem Herzstillstand. Nachruf auf eine Legende des Rock'n'Roll.

Karohemden hat er gern getragen, und auch musikalisch war Tom Petty das Musterbild eines Musikers, der für eine Unverfälschtheit steht. Der Mann mit der charakteristischen nöligen Stimme und der Rickenbacker-Gitarre – mit deren Sound er an Vorbilder von der kalifornischen Westküste, etwa The Byrds, anknüpfte – zog mit seiner Band The Heartbreakers Mitte der siebziger Jahre Vergleiche mit Bruce Springsteen auf sich. Anders als dieser konnte er nur wenige Singlehits landen, es waren seine Alben, die sich millionenfach verkauften; „Damn the Torpedoes“ ist sein bestes aus der frühen Phase. Zeitgleich, aber wahrhaftig nicht verwandt mit dem Punk stand auch der US-Amerikaner mit seiner Rückbesinnung auf den kernig-unverstellten Rock’n’Roll für eine Gegenbewegung zu dem gestochenen Anspruch des britischen Progrock.

Auf Vermittlung eines Onkels soll Petty, geboren am 20. Oktober 1950 in Gainesville, Florida als Sohn eines Versicherungsvertreters, dem Dreh eines Films mit Elvis Presley beigewohnt und dem King angeblich sogar die Hände geschüttelt haben; Presley und andere Rock’n’Roller waren fortan seine Vorbilder. Es folgte ein klassischer Weg über einige lokale Bands. Nach dem Umzug nach Los Angeles wurde Petty von Leon Russell entdeckt. Das erste Album, „Tom Petty and the Heartbreakers“ von 1976, floppte, der Erfolg stellte sich erst nach einem Umweg über Europa ein.

Unguterweise hatte Petty sich später auf eine mehrfache Zusammenarbeit mit Jeff Lynne vom Electric Light Orchestra eingelassen, der ihm zu arg seinen eigenen poppigen Sound aufgedrückt hat. Für sein Soloalbum „Wildflowers“ hingegen tat er sich 1994 mit dem großen Alles-Veredler Rick Rubin zusammen. Es sollte eines seiner großartigsten werden, mit einem klaren Klangbild, nach dem von Petty selbst aufgestellten Reinheitsgebot: „Keine Synthesizer, keine Digitalsounds, keine Computer, alle Aufnahmen nach dem Prinzip Live im Studio“.

1986 rettete sich Bob Dylan nach einer Phase mit zu Recht unter Verruf stehenden submediokren Alben – viele hatten ihn schon abgeschrieben – mit einem Engagement von Tom Petty and the Heartbreakers als Band für die „True Confessions“-Tour. Es war der Anfang von Dylans künstlerischer Konsolidierung. Mehr aus einer Partylaune heraus gründeten Dylan und Tom Petty dann 1988 die Supergruppe The Travelling Wilburys, zusammen mit George Harrison, Roy Orbison und Jeff Lynne. Ungeachtet des großen Erfolgs sind die beiden Alben allerdings eher Fußnoten der Rockgeschichte.

Tief einschreiben konnten sich Petty und die Heartbreakers hingegen Mitte der neunziger Jahre noch einmal durch ihre Beteiligung an „Unchained“, dem zweiten Album von Rick Rubins grandiosen American Recordings mit dem späten Johnny Cash, dem sie eine rockige Note verschafften. Gallig äußerte sich der wertkonservative Musiker später über den Hip-Hop, über das Internet, über den Kommerz und über eine sklavische Medienfixierung der Musik. Das Album „The Last DJ“ von 2002 war ein Abgesang auf das analoge Zeitalter. In einer schwarzen Ironie war es das Internet, über das Petty erst einmal vorzeitig für tot und dann wieder für lebendig erklärt worden war.

Am Montag ist Tom Petty nun tatsächlich in Malibu gestorben, an einem Herzinfarkt, im Alter von 66 Jahren.

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