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Liederabend Peter Mattei (Bariton) und David Fray (Klavier) in der Oper.
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Liederabend Peter Mattei (Bariton) und David Fray (Klavier) in der Oper.

Oper Frankfurt

Peter Mattei singt Schubert: Da war es kalt und finster

  • VonStefan Michalzik
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Peter Matteis intensiver Schubert-Liederabend in der Oper Frankfurt.

Ein weiterer Schubert-Zyklus nun bei den Liederabenden der Frankfurter Oper. Nach der Eröffnung der Saison mit dem Tenor Martin Mitterrutzner und „Die schöne Müllerin“ sang nun der schwedische Bariton Peter Mattei, begleitet von dem Pianisten David Fray, die „Winterreise“.

Er sang – das ist zu wenig gesagt. Gleich Mitterrutzner ist Mattei – in unheikler Art – die Prägung durch die Opernbühne anzumerken. Doch wo Mitterrutzner beobachtende Distanz, den Abstand des Außenstehenden wahrt, lässt sich Mattei tief auf die Rolle ein. Er spricht mit dem ganzen Körper: Wie getrieben von den Gefühlen des lyrischen Ichs, greift er immer wieder mal seitwärts, mal nach vorne aus, geht in die Knie. Eine so ausgeprägte Darstellung im Gestischen wie auch im Mienenspiel, mitunter auch festgehalten in den kurzen Pausen zwischen den Liedern, könnte leicht ins Ungute, in kunstgewerblichen Manierismus kippen. Davor aber ist Mattei gefeit.

In seinem Ansatz ist der nicht lange vor Schuberts Tod im November 1828 nach einer Vorlage von Wilhelm Müller entstandene Liederzyklus ein Monodrama. Ein Drama um die existenzielle Unbehaustheit des Wanderers, um die Verlorenheit des modernen Menschen, das sich beinahe wie eine Operninszenierung für eine Person darstellt. Wobei die Intimität der Gattung Lied gewahrt bleibt. David Fray ist ein exzellenter, sehr behutsamer Begleiter.

Bald harsche Töne

Ungebrochen in der lyrischen Innerlichkeit noch das Lied „Gute Nacht“ mit den berühmten ersten Zeilen „Fremd bin ich eingezogen/Fremd zieh’ ich wieder aus“. Ungebrochen auch in der Schönheit. Bald jedoch stellen sich auch harsche Töne ein. Abgründe eines Zerrissenen werden offenbar, Empfindsamkeit schlägt um in Widerstand, in Wut und Zynismus, in ein machtloses Aufbegehren gegen das Schicksal. In einem Wechsel mit einer resignativen Zartheit, einer in einer expressiven Art verhaltenen Eindringlichkeit, außerordentlich leise an manchen Stellen, mitunter beinahe tonlos, dabei in jedem Moment verständlich Wort für Wort.

Gänzlich ohne Pathos, ohne Sentimentalität im Übrigen. Mit brüsker Heftigkeit werden beispielsweise die Zeilen „Da war es kalt und finster/ Es schrien die Raben vom Dach“ in „Frühlings-traum“ vorgetragen, in der Wiederholung gar regelrecht skandiert. Gleich darauf schlägt die Stimmung um in schmerzhafte Verletzlichkeit.

Am ehesten vergleichbar ist dieser Ansatz vielleicht dem eines Ian Bostridge, doch Mattei geht noch viel weiter in seiner packenden Dramatisierung. Derart, wie er diese Lieder vorträgt, nimmt Schuberts berühmtes Wort von dem „Zyklus schauerlicher Lieder“ außergewöhnlich drastisch Form an.

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