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Peter Maffay, ein echter Mensch.

Peter Maffay in Frankfurt

Peter Maffay in Frankfurt bejubelt

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Peter Maffay singt und spielt in Frankfurt ohne Stöpsel. Er ist grundgut und etwas verhuscht bei seinem Konzert in der Festhalle.

Wer Lust hat, kann sich mit seiner Gitarre oder Flöte an die Ecke stellen und musizieren. Es wäre ein lupenreines Unplugged-Konzert, denn unplugged heißt: nicht eingesteckt, herausgezogen, und gemeint ist der Stecker, der ein elektrisch betriebenes Musikinstrument an einen Tonverstärker koppelt. Aber erst wer jahrzehntelang eingesteckt hat, macht mit dem gezogenen Stöpsel richtig Furore und wird aufgenommen in die markengeschützte Unplugged-Serie des US-Fernsehsenders MTV. Zurzeit tourt unter diesem Motto der Onkel mit der Lederjacke und dem Motorrad, den jeder gern in der Familie hätte: Peter Maffay.

„Immer wieder ein Fest, diese Halle“, lobt er die Frankfurter Festhalle zwischen zwei Liedern. Maffay, 68, sitzt auf einem drehbaren Hocker inmitten der 17-köpfigen Band mit Streicher- und Bläsersektion, sieht aus wie immer (jünger), klingt wie immer (rau, aber herzhaft), wird bejubelt wie immer. Eingangs rappt er sogar ein paar Zeilen in „Bring mich nach Haus“, während er auf der Großleinwand als Comicfigur mit seinen Leuten Richtung Frankfurt brettert (und offenbar in der Jahrhunderthalle landet, aber macht nix). Beim neunten Lied, „So bist du“, reißt es die ersten Besucher aus ihren Sitzen im knallvollen Saal, und alle singen gemeinsam die legendären Zeilen, die jeder schon mal zu seinem Schatz gesagt hat, ehe er sich noch ein Bier aus der Küche holte: „Und wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir.“

Nach dem nächsten Song („Duhuhu, du allein kannst mich verstehn“) setzen sich alle wieder. So geht’s den ganzen Abend, ironisch kommentiert vom Sänger mit den Muskeln, den Tattoos und dem markigsten Lächeln des Deutschrocks: „Macht es euch wieder bequem. Interessant, euch bei der Arbeit zuzusehen.“

Maffay hat mit dem Album zur Tour die Spitze der deutschen Charts erklommen, zum 18. Mal schon – Weltrekord. Der Ablauf auf der Bühne orientiert sich grob an der Platte; Höhepunkte sind „Eiszeit“ mit grausigen Begleitbildern vom Zustand der Welt samt Trump-Zitat („America first“) sowie „Über sieben Brücken musst du gehen“. Das Ganze fühlt sich wieder einmal so von Grund auf gut und richtig an, dass die Atmosphäre alle gefangen nimmt, selbst jene, die keine ausgemachten Maffay-Fans sind. Hier muss niemand durch die Luft fliegen, oder mit dem Lift aus dem Bühnenboden fahren, hier sind echte Menschen am Werk, alte Weggefährten, Bertram Engel (Schlagzeug), Carl Carlton (Gitarre), Pascal Kravets (Tasten), hier zählen Herz und Verstand – manchmal hart an der Grenze zum Lagerfeuer, aber auf der guten Seite der Grenze.

Ein Gewinner des Abends ist Sängerkollege Johannes Oerding, der die ganze Tour begleitet, vier oder fünf Lieder mitsingt und richtig abräumt. Leider fehlen die meisten der weiteren Gaststars, die bei den ersten Konzerten der Tour in Halle und Hamburg auftraten, etwa Katie Melua, Jennifer Weist, Philip Poisel und besonders schade: Ilse deLange von den Common Linnets. Aber Tony Carey ist auch nach Frankfurt gekommen und singt „Room With A View“. Immerhin.

Wenn die Bühnenkamera das Geschehen von hinten filmt, sieht man, dass Peter Maffay seine Texte vom Teleprompter absingt. Egal. Was viel mehr auffällt: Drei oder vier Songs weniger im Mittelteil täten dem Ganzen gut. Manches wirkt ein wenig durchgehechelt, dabei soll so ein ausgestöpseltes Konzert doch Ruhe und Entspanntheit verbreiten. Und wo kommen wir denn hin, wenn „Und es war Sommer“ direkt mit der Zeile „Ich war 16“ beginnt, und was folgt, ist so verhuscht, dass es auch heißen könnte: „... und sie 83“?

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