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Pet Shop Boys in der Jahrhunderthalle: Vielfach anschlussfähiges Duo

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Von: Volker Schmidt

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Neil Tennant von den Pet Shop Boys.
Neil Tennant von den Pet Shop Boys. © IMAGO/Future Image

Auch die Pet Shop Boys sind wieder auf Tour und dabei auch in der Jahrhunderthalle.

Fangen wir hinten an: „Being Boring“ beendet als letzte Zugabe das Konzert der Pet Shop Boys in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Man kann das kokett finden: Langweilig war es nun wirklich nicht in ziemlich genau zwei Stunden und gut zwei Dutzend Songs mit Neil Tennant und Chris Lowe. Es ist aber auch die folgerichtige Klammer zum Konzert-Opener „Suburbia“, der Hymne auf britisches Vorstadt-Ennui und 1986 nach „West End Girls“ der zweite Hit für die Zoohandlungs-Jungs.

Mit britischem Understatement konterkarierte das Duo schon immer seine schrillen Auf-tritte, auch in Frankfurt. Lowe steht stoisch hinter seinem Synthesizer, Tennant trägt schräge Fummel – sowas wie eine glänzend polierte Schweißermaske mit Hörnern zum Ärztemantel, später eine glitzernde Rettungsdeckenjacke, am Ende eine Art Soutane – mit, nun ja, Würde. Oder wie man das bei 67 (Tennant) und 62 (Lowe) Jahre alten Popkulturikonen nennt.

Zu Beginn steht das Duo vor einer vorwiegend graphisch und schwarz-weiß bespielten LED-Wand, die sich bei „Left to My Own Devices“ hebt und den Blick auf eine üppig bunte Lightshow sowie drei Mitmusiker und Mitmusikerinnen an diversem Schlag- und Tastengerät freigibt. Eine davon, Clare Uchima, singt in „What Have I Done to Deserve This?“ den Part von Dusty Springfield.

Zum Medley verbunden

Die „Dreamworld“-Tour trägt den Untertitel „Greatest Hits – live“ und hält diese, die meisten aus der Zeit um 1990, in Serie bereit, oft medleyhaft aneinandergeflanscht. „Rent“, „Domino Dancing“, „Single-Bilingual“ und „Se a vida é (That’s the Way Life Is)“, „Monkey Business“. Zur Akustikgitarre singt Tennant „You Only Tell Me That You Love Me When You’re Drunk“, laut Ansage zwar kein Hit in Deutschland, aber in Großbritannien.

Viele erfolgreiche Songs sind Cover wie das Mashup aus U2s „Where the Streets Have No Name“ und „I Can’t Take My Eyes Off You“. Oder „You’re Always On My Mind“, von Willie Nelson und Elvis Presley bekannt gemacht und 1987 ein Weihnachts-Nummer-eins-Hit für die Pet Shop Boys. Oder Stephen Sondheims „Losing My Mind“, das sie für Liza Minnelli produzierten. Und natürlich „Go West“, abgeschaut bei der wohl ersten für eine schwule Zielgruppe gecasteten Band, den Village People, von Tennant und Lowe für eine Aids-Wohltätigkeitsveranstaltung neu aufgenommen – es ist zum Fangesang in Fußballstadien avanciert.

Vom spießigen Vorstadtidyll zu avantgardistischer Kunst, von LBTIQ*-Community bis Fankurve: Die Anschlussfähigkeit des Duos hat ihm seinen Erfolg beschert und zahlt sich auch in der Jahrhunderthalle aus. Tennants näselnde Stimme schwebt vielleicht nicht mehr ganz so mühelos über den Vollfettarrangements, die aus den 90ern ein bisschen technoide Härte mitgebracht haben. Aber die Herren und ihre Musik sind besser gealtert als so manches andere aus der großen Zeit des Elektropop. Auch, weil selbst dick aufgetragenes Pathos wie im Konzertfinale bei „Go West“ und „It’s a Sin“ trotz vollmundiger Videoshow mit malerisch umwölktem Sonnenuntergang noch eine Spur Selbstironie enthält.

Die „West End Girls“ und, siehe oben, „Being Boring“ runden als Zugaben den Abend.

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