Countertenor David Daniels

Perspektive für Händels Rinaldo

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Hielt man die Augen geschlossen, so hätte es eine gereifte Altistin sein können. Schaute man hin, war es die geschmeidigste Männerstimme, die dem Kopf entspringen kann. Ein Abend mit dem Countertenor Daniels.

Hielt man die Augen geschlossen, so hätte es eine sehr gereifte Altistin mit immer noch gut gefasstem, unaufdringlichem Vibrato, Rauigkeiten in der Höhe und nicht allzu viel Reserve in der Dunkelzone sein können.

Schaute man hin, dann war es die geschmeidigste Männerstimme, die dem Kopf zu entspringen vermag. Ein Countertenor, der alles Bleckende und Schneidende hinter sich gelassen hat: David Daniels, der seit seinem Debüt vor 15 Jahren als einer der bedeutendsten Vertreter seines Stimmfachs gehandelt wird. Sein Debüt an der Frankfurter Oper gab er jetzt mit einem Liederabend, der zugleich der Start von Daniels´ Europa-Tournee und die Eröffnung der neuen Spielzeit der hiesigen Opern-Liederabende war.

Mit fünf Liedern von Johannes Brahms wurde ein heftiger Einstieg in die Kunst des vokalen Trans-Gender gewählt, ist doch den überschaubaren Texten und der für Brahms recht locker-burschikosen Diktion eine falsettierte Vermittlung nicht auf die Stirn geschrieben. "O du schwarzbraunes Mägdelein / Du la la la! Du lässt mir keine Ruh": So etwas bekam schnell Züge verdrückter Travestie und bot für Brahms überhaupt keine Perspektive.

Das war ganz anders in den von Haus aus bereits hoch-affektierten Formaten der italienischen Renaissance- und Barock-Oper. Bei Arien etwa von Jacopo Peri oder Francesco Durante kam David Daniels´ Talent der hoch aufgeladenen aber niemals grellen Artikulation zum Tragen. Keine Frage auch, dass bei so smarter Gesellschaftsmusik wie der Reynaldo Hahns, bei folklore-seligen Liedern Ralph Vaughan Williams´ oder Herbert Howells anglikanischem Tonfall die helle Männerstimme glänzte. Zum Strahlen kam sie bei der Arie des Rinaldo aus dem 1. Akt der gleichnamigen Oper Georg Friedrich Händels.

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