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Pearl Jam in der Festhalle Frankfurt: Wir sind noch da!

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Von: Stefan Michalzik

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Sänger Eddie Vedder macht einen Luftsprung.
Sänger Eddie Vedder macht einen Luftsprung. © AFP

Mit allem Drum und Dran: Pearl Jam in der Frankfurter Festhalle

Zu „Dinosauriern“ hatte sie das inzwischen seinerseits verblichene popkulturelle Magazin „Intro“ schon im Jahr 2000 erklärt. Tatsächlich war der Grunge, der Seattle-Hype der frühen neunziger Jahre, zu dessen zentralen Protagonisten Pearl Jam gehörten, damals bereits nicht weniger tot wie Nirvana-Sänger Kurt Cobain, der seinem Leben 1994 ein Ende setzte.

Erfolgreich waren Pearl Jam über die Maßen, zehn Millionen Mal hat sich allein „Ten“, ihr 1991 veröffentlichtes Debütalbum, seinerzeit verkauft. Sänger Eddie Vedder wurde medial zum Sprecher der Generation X erklärt – der er eigenem Bekunden nach genausowenig sein wollte wie ein Rockstar. Heute sind Pearl Jam die letzten ernstlichen Überlebenden des Grunge.

Die Fanbasis ist stabil, die großen Hallen können weiterhin gebucht werden. Für die Frankfurter Festhalle war „ausverkauft“ gemeldet; weshalb gleichwohl derart viele Plätze auf den Rängen freiblieben?

Das letzte Album, „Gigaton“ (2020), lässt sich, wie so viele vorher schon, als Arbeit charakterisieren, mit der sich Pearl Jam ganz sicher nicht neu erfinden wollen. Es gelingt ihnen, sich weiterhin als eine ,,solide Rockband“ zu präsentieren. Auf deren Alben außer den Fans allerdings auch niemand wartet. Dieses Album sagt: Wir sind noch da, und wir können es noch, frisch aufgeschäumt mit einem Cover, das auf die Klimakrise Bezug nimmt, dazu mit Trumpkritik (im Song „Quick Escape“).

In der Schwebe zwischen „aus der Zeit gefallen“ und „zeitlos“ hält sich auch dieser Abend. Pearl Jam sind schon lange eine Band des „gut Gemachten“. Vieles wirkt breitbeinig, in der Choreografie konventionell rockistisch. In einer sympathischen Art immerhin. Allenfalls stört hier und da ein Moment von bono-nahem Pathos bei Eddie Vedder.

Da sind Brecher mit einer Affinität zum Punk, da ist „Powerpop“, veritable Balladen gibt es nur ganz wenige, dafür häufiger so etwas wie die ,,Midtempoballade“. Die Besetzung ist die weitreichend originale, mit Vedder, dem Gitarristen Stone Gossard und dem Bassisten Jeff Ament, die den musikalischen Teil des Songwritings besorgen, sowie dem solofreudigen Gitarristen Mike McCready. Selbst der Schlagzeuger Matt Cameron (von Soundgarden) ist schon seit 1998 dabei. Gelegentlich kommen zwei zusätzliche Musiker an Perkussion/Gitarre und Orgel/Keyboards hinzu.

Es geht quer durchs Repertoire, das einzige Cover gilt Pink Floyds „Interstellar Overdrive“. Am Prinzip der offenen, Abend für Abend anders bestückten Setliste halten Pearl Jam nach wie vor fest. Was nichts ändert am Bild einer gut geölten Rockzirkus-Maschinerie mit Echochören mit dem Publikum und allem Drum und Dran.

Für die Zugabe platziert einer der Helfer eine Flagge in den ukrainischen Farben auf der Bühne. In einem politischen Statement erklärt sich Eddie Vedder auch wider die Ungeheuerlichkeit in Sachen Abtreibungsrecht und Selbstbestimmung der Frauen sowie gegen andere Hässlichkeiten in seinem Land, und er bekundet, das nun angenehm pathosfern, die Hoffnung, dass die auf dem G7-Gipfel erklärte Solidarität mit der Ukraine sich praktisch einlösen wird. Zu „River Cross“ mit Vedder am Harmonium verwandelt sich der Saal in ein Meer der Mobilgerät-Lämpchen.

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