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„Paulus“ und „Elias“ in Eberbach: Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen

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Von: Judith von Sternburg

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Die Mitwirkenden des „Elias“ in Eberbach. Foto: Ansgar Klostermann/RMF
Die Mitwirkenden des „Elias“ in Eberbach. Foto: Ansgar Klostermann/RMF © Ansgar Klostermann/RMF

Großformate: Mendelssohn Bartholdys Oratorien „Paulus“ und „Elias“ beim Rheingau Musik Festival

Ein Wochenende zu Ehren Felix Mendelssohn Bartholdys beim Rheingau Musik Festival – im November ist sein 175. Todestag – wurde von den beiden großen Oratorien gerahmt. „Paulus“ (1835) und „Elias“ (1846), an Bach und Händel geschult, aber von ganz eigener Prägung, sind superlative Werke im Sinne des 19. Jahrhunderts. Hervorragend passen sie zum Wunsch des Festivals, nach zwei Jahren des Chor-Darbens vermehrt Großformate mit Gesang aufzuführen.

Die Basilika von Kloster Eberbach ist ein perfekter Rahmen dafür, auch wenn es sich um Konzertoratorien handelt und bei aller Ernsthaftigkeit Mendelssohn Bartholdys der Textgestalt gegenüber diese einen ambivalenten Eindruck hinterlässt – anders als die geniale Musik.

Jedenfalls gilt das für den „Paulus“, in dem die „Juden und Heiden“ vielleicht doch einmal zu oft ihre extreme Unzugänglichkeit gegenüber Paulus’ Bekehrungsansinnen herausschreien – in allerdings wunderbar anzuhörenden Turba-Chören. Das antijüdische Stereotyp des unbelehrbaren Trotzes springt einen hier noch unsympathischer an als bei Bach. Was natürlich auch der klüger gewordene Blick zurück ist, wurde Mendelssohn doch erst nach seinem Tod ein Opfer von Richard Wagners abgefeimten, aber sehr lange wirkenden und noch länger nachwirkenden Diffamierungen.

Musikalisch hingegen war es ein großes Festival-Debüt der Audi Jugendchorakademie, knapp 60 junge Stimmen unter dem Dirigat ihres Leiters Martin Steidler: von Majestät die wuchtigen Partien, die Momente mysterienhafter religiöser Vorgänge – Visionen, Stimmen, Wunder – mit glasiger Raffinesse ausgebreitet, die komplexen polyphonen Verwicklungen in Bach’scher Tradition souverän gelöst.

Auch schäferspielsüß

Das Solistenquartett blühend und angeführt von der großen Sopranistin Christiane Karg, dazu die Altistin Carmen Artaza sowie Werner Güra (Tenor) und Matthias Winckhler (Bass), die sich unter anderem zu einem schäferspielsüßen Duettlein fanden, „So sind wir nun Botschafter an Christi Statt“.

Dem Missionsbefehl stundenlang zuzuhören, ist, wie gesagt, etwas anstrengend. Die Szene, in der es dem von Gott heimgesuchten Saulus wie Schuppen von den Augen fällt, ist den Vorgang, der dem Mörder Straffreiheit zuteil werden lässt, aber schon allein musikalisch wert.

Die schlank besetzte Akademie für Alte Musik Berlin war das lebhafte, anschmiegsame Orchester – ein ansprechender Kontrast zum „Elias“-Abend, bei dem die Stuttgarter Philharmoniker eher klassisch groß auffuhren. Hier sang der Windsbacher Knabenchor – auch Knabenchöre stehen in einem Fokus dieser Festivalausgabe – mit Schwung und Verstand.

Chorleiter Martin Lehmann modellierte die Nummern regelrecht, die Freude am Opulenten, aber ebenso an der Feinarbeit war zu hören und zu sehen. Auch hier gute Soli mit Christina Landshamer (Sopran), Lioba Braun (Alt), Benjamin Bruns (Tenor) und dem Bass Jochen Kupfer als eindrucksvollen, wenn auch nicht sehr tief timbriertem Elias. Kleinere Soli wurden aus dem Chor besetzt, der Sopransolist erschütternd makellos.

Es war, wie man las, das vorletzte Konzert der Windsbacher mit Lehmann, der nach Dresden zum Kreuzchor wechselt. Wie es dieser Tage klingt, dass der ganze erste Teil vor allem einen Regenzauber zum Inhalt hat, der dann Gott sei Dank funktioniert (nach drei Jahren, das Land in entsprechendem Zustand), muss kaum ausgeführt werden.

Die Windsbacher zogen aus der auch in der Basilika herrschenden Hitze die richtigen Schlussfolgerungen und kehrten nach der Pause hemdsärmlig zurück.

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