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Paukentosen und Klangkronen

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Eliahu Inbal dirigiert in Frankfurts Alter Oper das hr-Sinfonieorchester mit Bruckners Vierter.

Von Bernhard Uske

Sieben Jahre nach der Gründung des Sinfonieorchesters von Radio Frankfurt 1929 wurde Eliahu Inbal geboren – 1936 in Jerusalem. Von 1974 bis 1990 war er Chefdirigent dieses sich damals Radio-Sinfonieorchester Frankfurt nennenden Ensembles, bei dem der 80-Jährige wieder einmal auftrat. Zusammen mit dem jetzt hr-Sinfonieorchester genannten Klangkörper präsentierte er Anton Anton Bruckners 4. Sinfonie, was ihm ganz besonders am Herzen gelegen haben dürfte. Unvergessen sind die Ersteinspielungen der Erstfassungen der Sinfonien Anton Bruckners, die Inbal mit seinen Musikern in den frühen 80er Jahren produzierte. Einblicke in Gestaltungsprozesse primärer Unmittelbarkeit gebend, die sich in den bekannten Fassungen verloren hatten. Die 1983 veröffentlichte Telefunken-Kassette mit den Erstfassungen der Sinfonien Nr. 3, 4 und 8 war eine Offenbarung.

Jetzt trat Inbal wieder mit der 4. Sinfonie an, aber nicht mehr mit der ersten und auch nicht mit der dritten, sondern mit der heute üblicherweise gespielten zweiten Fassung. Im Großen Saal der Alten Oper hatte man trotzdem den Eindruck, als wären unter den Brucknerschen Aufräumarbeiten dank Inbals Interpretation die Züge des Ungebärdigen in einer herausfahrenden und unbedenklicheren Haltung doch irgendwie erhalten.

Sehr farbig und schön ausformuliert in idiomatischer Absonderlichkeit samt oft fast exotisch wirkender Schwebezustände, so kam manche Passage daher; und ließen sich vor allem die Steigerungswellen oft ins Klangabgründige treiben. Fast ein wenig zu viel des Guten tat man mit den immer gleich donnernden und grell ausgeleuchteten Klangkronen samt dem apokalyptisch scheinenden Paukengetöse. Natürlich war es hinreißend, den atavistischen Konstruktivismus Bruckners sich dergestalt austoben zu hören, aber es gibt das Laute und Pastose hier doch eben auch als Erhabenes und Erhebendes.

Zu Beginn hatte Inbal das Werk aufgeführt, mit dem der 1880 in Genf geborene und 1959 in den USA gestorbene Ernest Bloch, der 1899 auch zwei Jahre am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt studierte, berühmt wurde: „Schelomo – Hebräische Rhapsodie“ für Violoncello und Orchester. Ein König-Salomo-Memorial. Plastische Klangrhetorik, die Jan Vogler und das hr-Tutti mit großer Deutlichkeit und zupackender Artikulation vorstellten, und die viel von Richard Strauss’ „Salome“ und dem musikalischen Jugendstil eines Franz Schreker aufgenommen hatte. Im Orchester grandios die Hörner.

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