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Anna Prohaska mit der Camerata Bern in der Alten Oper Frankfurt.  

Alte Oper Frankfurt

Patricia Kopatchinskaja und Anna Prohaska in der Alten Oper: Marienleben

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Patricia Kopatchinskaja und Anna Prohaska mit der Camerata Bern in der Alten Oper.

Ein besonderes adventliches Format bescherte das Gastspiel der Camerata Bern im Mozart Saal der Alten Oper, wo ein Konzept verklanglicht werden sollte, das Patricia Kopatchinskaja und Anna Prohaska, die eine Geigenvirtuosin, die andere herausragende Sopranistin der jüngeren Musikergeneration, entwickelt hatten.

Es ging um einen Parcours von Marienvertonungen aus gut 1200 Jahren, die in einer dem Schicksal der Gottesmutter folgenden Weise angeordnet waren. Man begann mit einer Jesus-Adoration von Gustav Holst und gleich anschließend dem Palästinalied Walthers von der Vogelweide. Wenngleich gregorianischer Choral schließlich auch schon zum Fest Mariä Geburt existiert. Immerhin ergab sich aber der Gesamtverlauf Mariä Verkündigung, Geburt Jesu, Schmerzensexistenz unterm Kreuz. Wobei dann Pfingsten und Mariä Himmelfahrt wieder entfielen.

War der erste Teil durch die eher freudenreichen und besinnlichen Aspekte des marianischen Lebensvollzugs bestimmt, so der zweite durch den Kreuzestod des Sohnes dramatisch und klanglich herausfahrender. Die Beteiligten hatten aber auch schon im ersten Teil des Abends Gelegenheit gesucht, einen zu andächtigen Duktus zu durchbrechen, wozu ein Marien-Triptychon Frank Martins (1890-1974) herhalten musste. Der aus calvinistischem Kontext konvertierte Katholik Martin stellte mit „Ave Maria“, „Magnificat“ und „Stabat Mater“ die anspruchsvollsten Werke des Programms, die einer ruppigen, grob klingenden Interpretation unterzogen wurden. Die zweifellos nicht leise Emphase des Jubelgesangs Mariens im „Magnificat“ ob ihrer Empfängnis hatte berserkerhafte, unmodulierte Züge; die durchstrukturierte Klarheit des Martinschen Tonsatzes wurde aktionistisch ignoriert.

Ähnlich fehlten den drei aphoristischen Stücken aus György Kurtágs „Kafka-Fragmenten“ die feinsinnige Pointe, ganz zu schweigen von der sinnfrei heruntergesäbelten, alle rhythmische Raffinesse und Tempovarianz vernichtenden „Danse de la fureur...“ Olivier Messiaens.

Platz für die andere Maria

In Fahrt und zu spezieller Ausdrücklichkeit kam die Geigerin etwa bei der von ihr selbst komponierten „Dance macabre“ von 2019. Eine Art Überleitungsgeräuschfolie des gesamten Ensembles zu Joseph Haydns „Il terremoto“ aus den „Sieben letzten Worten des Erlösers am Kreuze“. Einige gregorianische Choralsequenzen, darunter eine in Variante von Hildegard von Bingen, sowie einige Renaissance-Kompositionen und aus jüngerer Zeit George Crumb und Lili Boulanger rundeten das Bild. Das „Kuppellied“ von Bertolt Brecht und Hanns Eisler hatte es ins Programm geschafft, weil auch der anderen Maria gedacht werden sollte: der bekehrten Sünderin und Anhängerin Jesu aus Magdala.

Alles in allem eine gute Gelegenheit für Anna Prohaska, ihren nach wie vor schön führbaren, in ungebrochenem Register sich leicht bewegenden Sopran zur Geltung zu bringen: vokales Licht strahlte auf in der Höhe.

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