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Pat Metheny: Wahrhaftiger Meister

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Von: Stefan Michalzik

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Pat Metheny, hier im Rahmen der Konzertreihe Jazz in the City in Erfurt am 1. Mai 2022.
Pat Metheny, hier im Rahmen der Konzertreihe Jazz in the City in Erfurt am 1. Mai 2022. © Michael Kremer/Imago

Pat Metheny mit jungen Musikern bei den JazzNights in der Frankfurter Alten Oper.

Pat Metheny“, hat Lester Bowie einmal gegiftet, „ist der Michael Bolton des Jazz“. Das gemeinsam mit Ornette Coleman eingespielte Album „Song X“ gehört zu den interessantesten in der Laufbahn des US-amerikanischen Gitarristen. Es widerspricht dem Bild vom Weichspüler, der brillant musiziert in einer Weise, mit der er auch ein Poppublikum anzusprechen vermag. Metheny gehört zu den wenigen Stars des Jazz; so glatt sich Manches auch darbieten mag, die Experimentierlaune hat ihn immer mal wieder gepackt. Das wohl eindrücklichste Dokument dessen ist das Album „Zero Tolerance For Silence“ (1994): Vierzig Minuten Feedbackorgien, die mit Lou Reeds legendärem „Metal Machine Music“ (1975) konkurrieren können – Pat Metheny ist hier kaum wiederzuerkennen.

Wiederzuerkennen ist er bei den JazzNights in der Frankfurter Alten Oper. „Side-Eye“ nennt der 67-jährige Graulockenschopf sein derzeitiges, mit zwei jungen Musikern, dem Pianisten und Keyboarder James Francies und dem Schlagzeuger Joe Dyson besetztes Trio. Metheny beginnt das Konzert mit einem kontemplativen Stück allein auf der Pikasso-Gitarre, einem akustischen Instrument mit 42 Saiten an vier Hälsen, das eine Vielfalt von Möglichkeiten bis hin zu einem harfenähnlichen Klang offeriert. Mit dem Trio dann bewegt er sich auf dem abgesicherten Terrain des Fusionjazz. Alles hübsch harmonisch, mal groovend, mal wohltemperiert brachial, zwischendrin immer wieder auch elegisch. Der Gitarrenroadie hat gut zu tun, ungefähr ein halbes Dutzend Gitarren kommt zum Einsatz, elektrifizierte und akustische.

Mit zunehmender Dauer nimmt das den Charakter eines „Bunten Abends“ an. Da ist mal ein exzessiv ausgekostetes Spiel mit den Gitarrensynthesizersounds. Irgendwann wird eine auf das Schlagwerk fokussierte Version des Orchestrions enthüllt, dem digital-mechanischen Instrument, mit dem Metheny vor gut zehn Jahren ohne ernstlichen musikalischen Mehrwert ganze Konzertabende allein gab. Mal ist da auch ein Moment von Noise, ausgerechnet auf einem (mehr oder weniger) akustischen Instrument. Und in der dritten Zugabe gibt’s die Beatlesnummer „And I Love Her“ ungetrübt akustisch, angelegt darauf, „einfach schön“ gefunden zu werden.

Ein Wunsch: mehr Reibung

James Francies und Joe Dyson fordern Metheny nicht ernstlich. Trotz einiger Präsenz besonders von Francies mit seinen Sounds von diversen Keyboards und vom Klavier ist alles sehr auf Metheny fokussiert. Da würde man sich doch mehr Reibung wünschen. Trotzdem ist es ein ansprechender Abend – und die vor allem an Wes Montgomery geschulte technische Meisterschaft bestätigt sich als eine wahrhaftige, da sie weniger als Virtuositätsschau, sondern als Mittel zum musikalischen Zweck angewandt wird.

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