Alte Oper

Paganini, Berlioz – Hauptsache Italien

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Joana Mallwitz und Nils Mönkemeyer beim Frankfurter Museumskonzert.

Einen immer noch ungewohnten Anblick bot das Dirigentenpodium im Großen Saal der Alten Oper beim jüngsten Konzert der Museumsgesellschaft. Eine Dirigentin leitete das Programm, die 1986 geborene Joana Mallwitz, seit dieser Saison Generalmusikdirektorin des Staatstheaters Nürnberg. Vorher war sie vier Jahre lang Chef des Theaters Erfurt.

In Frankfurt präsentierte sie mit dem Opern- und Museumsorchester ein romantisches und romanophiles Programm, denn alle drei Werke drehten sich um italienische Bezüglichkeiten. Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 4, die „Italienische“, machte den Anfang. Mächtig war der Ton des in großer Besetzung aufspielenden Orchesters. Pauschal in der Vehemenz, mit der unter dauerndem, dirigentischen Antrieb der erste Satz vorbeizog. Viel Körpereinsatz, ein gewissermaßen eigenmotorisches Mitgehen war charakteristisch für Mallwitz: Eigentlich jeder Takt wurde mit seinen gestischen und rhythmischen Charakteristika ausdirigiert. In gleitenden, großzügigen Bewegungen, die ihr gut standen. Ein auch in den beruhigteren Sätzen spürbares Bewegungsregiment bot artikulatorischen Sonderzonen keinen Raum.

Auf die deutsche Italien-Resonanz folgte in Gestalt von Nicolò Paganini ein italienisches Eigengewächs: Instrumental-Exhibitionismus, der den Beweis antreten wollte, dass eine Bratsche dank paganinesker Befingerung klingen kann wie eine Geige, nur dass diese dabei tiefer kommt. Dank Nils Mönkemeyer, des 1978 in Bremen geborenen Bratschisten, konnte mit obendrein warmem und einschwingungsstarkem Ton der Beweis in der „Sonata per la Grand Viola op. 35“ geführt werden. Das von Mallwitz knapp und präzise gehaltene Tutti bot sehr schön den Rahmen der Virtuos-Preziosen.

Zum Schluss „Harold in Italien“ nach Versen von Lord Byron. Vertonte Phantasien eines vom Nichtstun müde gewordenen Weltschmerzlers, der sich seine Abruzzen-Romantik zurechtgeschrieben hat. Dem Komponisten Hector Berlioz war das Anlass für einen sinfono-concertanten Zwitter, in dem die Solo-Bratsche als lyrisches Ich eine tragende Rolle spielt – umhüllt von abenteuernder Tutti-Nervosität.

Mallwitz, die Wirbelnde, Mönkemeyer, der Versonnene. In der fluiden Modulationen-Atmosphäre des 2. Satzes („Marsch der Pilger, die ihr Abendgebet singen“) kamen die beiden Haltungen in schönster Beruhigung zu einer fesselnden Synthese.

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