Jazz im Palmengarten

Frisch heraus mit der Historie

  • vonStefan Michalzik
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Das Pablo Held Trio mit dem Gitarristen Nelson Veras bei Jazz im Palmengarten.

Für sein jüngstes Album „Ascent“ hat sich das Trio um den Kölner Pianisten Pablo Held den in Paris lebenden brasilianischen Gitarristen Nelson Veras eingeladen. In dieser erweiterten Besetzung ist es nun in der von der Jazzinitiative ausgerichteten Frankfurter Sommerreihe Jazz im Palmengarten aufgetreten.

Held, einer der auffälligsten Gitarristen seiner Generation im Weltmaßstab, ist gerade mal 19 Jahre alt gewesen, als er 2005 mit dem bis heute beständigen Trio debütiert hat, einem Trio um seine sich auf gleicher Höhe bewegenden Partner, den Bassisten Robert Landfermann und den Schlagzeuger Jonas Burgwinkel. Es ist derzeit im Jazz eines der großartigsten Klaviertrios. Um es vorwegzunehmen: Der grandiose Gitarrist Nelson Veras hat mit seinem von Schulung an Barock und Klassik geprägten improvisatorisch freien Spiel scheinbar mühelos Eingang gefunden, da dieses Trio auch von einem unbedingten Ensemblegedanken angetrieben ist.

Es geht hier um eine Musik gleichsam über den Stilen. Jazzhistorisch belesen und dabei, sagen wir mal: posteklektizistisch. Da klingt Vielfältiges an, das Trio streckt seine Fühler aus in Richtung später Romantik und Impressionismus, milde flirtet es auch mit dem Pop und seinem Groove. Über den Charakter eines bloßen Zitierens jedoch weist das hinaus. In einem der Stücke ist eine Passage aus Rachmaninows viertem Klavierkonzert der Ausgangspunkt, idiomatisch bewegt sich das Trio in seiner freien Verarbeitung weit weg von der Romantik.

Offenheit, Freiheit ist das Programm der musikalischen Sprache des Komponisten Pablo Held, getragen von einem starken Formbewusstsein – mag der Musik auch ein improvisatorischer Gestus eigen sein, so ist sie doch eine der kompositorischen Festschreibung. In der Frische des Vortrags wiederum macht sie den Eindruck einer Geburt aus dem Moment.

Ein Stück fällt heraus

Geschrieben hat die Stücke beinahe sämtlich Pablo Held; eines stammt von seinem Vater Peter, der ebenfalls Pianist ist. Zumindest in Pablos Fassung klingt es schwer nach Fusionjazz und fällt insofern ein wenig heraus, zugleich handelt es sich um die einzige veritable Up-Tempo-Nummer des Abends. Immer wieder auch gibt es Klangszenen, die von tupferhaftem Geschehen geprägt sind.

Für das Ensemblespiel bei Pablo Held gilt der strukturelle Gedanke eines quasi fugenfreien Ineinandergreifens. Mal tritt dieser Musiker hervor, mal jener, mal auch steht ein unbegleitetes Solospiel auf dem Klavier am Anfang oder es ist Raum für Dialoge zwischen zwei Musikern. Das Modell dieses kongenialen Musizierens geht auf die längst historisierten Errungenschaften des Bill Evans Trios Ende der fünfziger Jahre zurück, das Pablo Held Trio überträgt sie in einen zeitgenössischen Zusammenhang.

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