+
Ozzy Osbourne, britischer Sänger, tritt mit der Rockband Black Sabbath auf. 

Ozzy Osbourne

Ozzy Osbourne - der Hohepriester des Exzesses

  • schließen

Ozzy Osbournes Album „Ordinary Man“ ist sowohl musikalische Bilanz als auch anrührendes Vermächtnis.

Im Video zum Stück „Straight To Hell“ stehen Straßenkämpfer, die scheinbar zu allem bereit sind, einer martialisch ausgerüsteten Armee gegenüber. Stahlkugeln fliegen, Molotow-Cocktails explodieren und am Rande des Geschehens sitzt Ozzy Osbourne als eine Art Hohepriester des Exzesses. Alles wie früher, als er 1969 in Birmingham die Band Black Sabbath gründete, und mit „Paranoid“ nicht nur einen Welthit landete, sondern zugleich ein eigenes Genre aus der Taufe hob.

Ozzy Osbourne mit neuem Soloalbum

Taufe ist allerdings das falsche Wort, denn was Black Sabbath spielten und taten, war das Gegenteil eines christlichen Sakraments. Am Anfang war das Gefühl, alles in ein tiefes Schwarz zu tauchen, und noch ehe es die Bezeichnungen dafür gab, hatten Black Sabbath die Genres Hard Rock, Doom Metal oder auch Black Metal erfunden.

„Straight To Hell“ stammt vom neuen Soloalbum Ozzy Osbournes, das wie ein anrührendes Vermächtnis daherkommt und die wilden Zeiten nicht nur pompös verklärt, sondern auch erläutert. Osbourne erscheint hier wie ein antiker Sänger, der von der Apokalypse erzählt und diese ein bisschen auch arrangiert. Das Teuflische war stets auch eine Pose, die es ihm erlaubte, demonstrativ neben sich zu stehen. Die Skandale waren wie Ringe und Amulette, mit denen er und die Bandmitglieder sich behängten.

Ozzy Osbourne mit Slash von Guns ‚n’ Roses

Auf „Ordinary Man“ scheppern die Gitarren und quietschen virtuos die Riffs. Handwerklichen Beistand hat Osbourne sich von gestandenen Kollegen geholt. Slash von Guns ‚n’ Roses ist ebenso mit von der Partie wie Chad Smith, der Schlagzeuger der Red Hot Chilli Peppers, und Tom Morello von Rage Against the Machine. Und, ja, es klingt nach alten Männern, die ein wenig Spaß mit dem haben wollen, was sie tun.

Osbournes gedehnt-quengelndes Stimme vernimmt man als wohlige Klangsignatur eines alten Bekannten. Das Selbstbild unerbittlicher Härte hat er schon sehr früh zerstört, spätestens seit er in einer Reality-Soap mit seiner Familie als alltagsuntauglicher Quälgeist in Erscheinung trat, der schon die Nerven verlor, wenn sich eine Milchtüte nicht ordnungsgemäß öffnen ließ. Bei aller heroischen Reminiszenz an das gelebte Leben singt hier einer, der um seine Endlichkeit weiß. Osbourne ist an Parkinson erkrankt und will es sich dennoch nicht nehmen lassen, noch einmal auf die Bühne zurückzukehren. Ein für Berlin abgesagtes Konzert soll im November nachgeholt werden.

Auf dem Album zieht er Bilanz. Das titelgebende Duett mit Elton John handelt vom Ruhm, in den sie hineingespült wurden, obwohl sie doch bloß danach strebten, am Ende nicht als gewöhnliche Männer zu sterben. Das ist aufgegangen, oder? „Ordinary Man“ ist eine Popballade, die im Ohr bleibt. Ozzy Osbourne hätte man auch ohne sie nicht vergessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion