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Ozan Ata Canani mit Mitmusikern.
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Ozan Ata Canani mit Mitmusikern.

Summer in the City

Ozan Ata Cananis Gastarbeitersongs: Alle wollen glücklich sein

  • VonStefan Michalzik
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Gastarbeitersongs mit Ozan Ata Canani bei Summer in the City

Es geht hier um ein Stück kulturgeschichtlicher Archäologie an der alten Bundesrepublik. Ozan Ata Canani ist 1963 in der anatolischen Provinz Kahramanmaras geboren worden, 1975 wollten ihn seine Eltern, die schon einige Jahre als damals sogenannte Gastarbeiter in Bremerhaven lebten, nachholen. Um seinem Widerwillen zu begegnen, stellten sie ihm einen Wunsch frei; er wählte eine Baglama Saz, eine türkische Langhalslaute.

Als Teenager spielt er in einer Hochzeitskapelle, er hat Lieder geschrieben, die von der Wirklichkeit der Gastarbeiter handelten, in türkischer und in deutscher Sprache. Zwar hatte er einige Auftritte im Fernsehen, unter anderem mit seinem Song „Deutsche Freunde“ – eine Antwort auf die Rede keineswegs wohlwollender deutscher Politiker von den „türkischen Freunden“ – in Alfred Bioleks Show „Bios Bahnhof“, ein wirklicher Erfolg blieb ihm jedoch versagt. „Deutsche Freunde“ war die erste Nummer auf der 2013 bei Trikont erschienenen Compilation „Songs of Gastarbeiter“. Im Mai nun ist das Album „Warte, mein Land, warte“ erschienen, das späte Debüt des 57-Jährigen.

Der Zuspruch des Feuilletons war einhellig, eine späte Anerkennung. Das Konzert im Frankfurter Palmengarten in der vom Mousonturm ausgerichteten Reihe Summer in the City wird nun trotz Regen und Kälte umjubelt. Aber gerade mal um die 60, 70 Tapfere sind gekommen.

Im Geist des Anadolu Rock

Die Musik von Ozan – das heißt Dichter, den Ehrentitel hat er sich zugelegt – Ata Canani ist eingängig und sie macht Laune. Sie steht im Geiste des Anadolu Rock, der türkischen psychedelischen Musik der 60er und 70er. Anders als auf dem Album, das er mit Mitmusikern von einst einspielte, wird er auf Tournee von den großartigen jungen Musikern der Münchner Neokraut-Band Karaba begleitet; Gast in deren Reihen ist die Vibraphonistin Marja Burchard, Leaderin der 1969 von ihrem Vater gegründeten Krautrockband Embryo, womit sich ein Kreis schließt.

Liebeslieder gibt es auch, überwiegend aber sind es Protestsongs, vorgetragen mit einer melismenreich geführten Baritonstimme. Ihre Entstehungszeit ist abzulesen, auch wenn vieles gut ins Heute passt. Solidarität und Frieden, das ist das politische Programm. „Flüchtlinge der ganzen Welt/Feuer und Tod, verbrennen Länder/Waffen und Feuer bringen Geld/Töten Männer, Frauen, Kinder“.

Abgestanden wirken die Songs nicht. Sofern das doch mal gilt, gilt es ausgerechnet für eines der wenigen neuen Lieder, das arg triviale vom „Papierkramland“ Deutschland. Dann doch lieber: „Alle Menschen dieser Erde/Alle Menschen groß und klein/ Alle Menschen dieser Erde/Alle wollen glücklich sein.“ Es wirkt vital und sympathisch.

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