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Prince, der Unermüdliche, 1998 in Paris.

Neues Album

„Originals“ von Prince: Oh ja, man braucht es

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Aus seiner besten Zeit: Ein weiteres feines postumes Album von Prince.

Beinahe schon in der Art eines Gemeinplatzes geht seit Jahrzehnten die – womöglich ja zutreffende – Mär um, dass Prince in nachgerade manischen Produktivitätsschüben Unmengen von Songs komponiert und eingespielt haben soll. Derart viele, dass sich damit eine Masse von Alben füllen lassen würde. Nach Prince’ Tod vor drei Jahren stand mithin zu erwarten, dass diese Aufnahmen wohl nach und nach, in einer Taktung, die den Kunden nicht überfordert, auf den Markt gebracht werden dürften.

Dann, im Herbst vergangenen Jahres, die Überraschung: „Piano & A Microphone 1983“, die erste postume Veröffentlichung, enthielt eine Reihe von intimen Demoperlen. Reizvoll Fassungen von Songs, die später für die Alben in den meisten Fällen mit einem mächtigem Popappeal aufgehübscht worden sind. Hier nun mit nichts als der Stimme und dem sich furios selber am Klavier begleitenden Musiker, in einem gänzlich anderen Licht als geläufig.

„Originals“ enthält Songs, die Prince anderen Musikern überlassen hat

Und nun: das postume Album Nummer zwei – wiederum mit Demos. „Originals“ enthält 15 – darunter 14 bisher unveröffentlichte – Aufnahmen von Songs, die Prince anderen Musikern wie The Bangles, Sinéad O’Connor, Sheila E., Apollonia, der Band The Time oder gar dem schlagernahen Nashville-Countrysänger Kenny Rogers überlassen hat und die zum Großteil sehr erfolgreich gewesen sind.

Prince: Originals. Warner Music.

Entstanden sind die Aufnahmen zwischen 1981 und 1991, in der besten Zeit von Prince also. Sofern die Mythenbildung der Wirklichkeit entspricht, sollen ihm die Ideen zu seinen Songs oft im Schlaf gekommen sein, nach dem Aufwachen soll er sofort seine Studiotechnikerin angerufen und eine Demoversion eingespielt haben. Entweder allein, oder mit Musikern aus seinem Paisley-Park-Clan wie eben Sheila E.

Zusammengestellt worden ist dieses Album von dem geschäftssinnigen Rapper Jay Z zusammen mit Troy Carter, ehemals Manager von Lady Gaga wie auch von Spotify, als Vertreter des Prince-Estate; erstveröffentlicht worden ist es auf Jay Zs Streamingdienst Tidal, mit ein wenig Verzögerung erst wurde es für andere Kanäle wie die CD freigegeben. Die Aufnahmen sind großteils als Vorlagen zur Orientierung für die Musiker gedacht gewesen, in einigen Fällen ist aber auch hernach einfach die Gesangsspur ausgewechselt worden, und am instrumentalen Teil wurden noch ein paar Details retuschiert. Es sind Tanzkracher darunter wie das grandiose „Holly Rock“ (für Sheila E.) und wunderbare Balladen wie die später mit Jill Jones aufgenommene Nummer „Baby, You’re a Trip“.

Im Oktober sollen die Memoiren von Prince erscheinen

Sieht man von dem pophistorischen Interesse ab, stellt sich natürlich die Frage: Braucht die Welt dieses Album nun tatsächlich? Durchaus. Denn im Großen und Ganzen hätte sich diese Sammlung ähnlich gut ausgenommen wie ein weiteres Prince-Album der achtziger Jahre. In der gewissen Rohheit kommt der Charakter der Aufnahmen denen des Albums „Controversy“ von 1981 nahe. Sicher hätte Prince an den Aufnahmen noch gefeilt, ihren Wert schmälert das jedoch nicht.

Reizvoll ist natürlich die Frage, was einen noch an den oben erwähnten Studioschätzen erwartet – und ob das alles tatsächlich so dolle ist. Denn es wäre logisch, dass seinerzeit die besten Nummern zur Veröffentlichung gekommen sind und der Rest womöglich nicht zufällig im Tresorraum gelandet ist. Wir werden es über kurz oder lang erfahren, ganz sicher. Vorläufig jedoch ist für Ende Oktober erst einmal des Erscheinen der Memoiren annonciert.

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