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Daniil Trifonov. Foto: Alte Oper Frankfurt / Tibor-Florestan Pluto
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Daniil Trifonov.

Klassik

Orchestra dell’Accademia und Daniil Trifonov in der Alten Oper Frankfurt: Sir Pappanos Gespür für Weichheit

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Das Orchestra dell’Accademia und Daniil Trifonov mit einen großartigen Ersatzprogramm

Sollte es zwischendurch für eine Woche anders gewesen sein, so bestimmt die Pandemie-Lage jedenfalls erneut die Konzertspielpläne. Statt Sibelius und Brahms spielte das römische Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia auf seiner Mini-Deutschlandtour nun Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart: eine kleinere Besetzung – die im Hochrisikogebiet Deutschland jenseits der Blasinstrumente zudem durchgängig mit Masken musizierte –, ferner, wie man vor dem Termin in Hamburg vor einigen Tagen hörte, auch ein tennisarmschonendes Programm für den Pianisten Daniil Trifonov.

Beiläufig virtuos

Mozarts Klavierkonzert Nr. 9 Es-Dur („Jeunehomme“) spielte er in der Tat federleicht, als Untertreibung und wie einen aus dem Moment geborenen kleinen Einfall, was sich in der langen, sich nachdenklich vortastenden Kadenz noch fabelhafter und so mystifizierend wie nur möglich zeigte. Im Schlusssatz zündete Trifonov kurz einen Turbo, auch im Fulminanten aber dezent, eine beiläufige Virtuosität, die die Tastenlöwen dieser Welt erröten lassen muss. Das Orchester unter Antonio Pappano demonstrierte, wie man eine milde, schaumige, sämige Tutti-Weichheit erreicht, während man umso mehr auf Zack ist. Hörte man nicht sogar, wie der zutiefst lebhafte und äußerst deutliche Dirigent zwischendurch „soft“ rief, dabei war es schon alles fantastisch soft?

Ein Abend, an dem das italienische Sinfonieorchester musikalische Weichheit auslotete, Weichheit, die keine Nachgiebigkeit war, sondern eine jeweils genau zu treffende und hier jeweils genau getroffene Klangkonsistenz. Auch war die Musik keineswegs konturlos, vielmehr sogar genau ausformuliert. Großartig gelang das bereits in Beethovens Prometheus-Ouvertüre zum Auftakt, die energisch, aber nicht pathetisch, straff, aber nicht nüchtern daherkam. Dazu auch sie ungemein flugs, alles aber nicht nach historischen oder ahistorischen Prinzipien, so schien es, so klang es, sondern aus dem musikalischen Moment heraus.

Der spektakulärste Bestandteil war aber nach der Pause Beethovens 7. Sinfonie, die vom fein mattierten Strahlen der Streichergruppen dominiert war, dazu perfekte Bläsersoli. Die Satzenden so keck abmoderierend und modern, dass Beethovens Zukunftsmusik selbst die für ihn noch unvorstellbar Zukünftigen heute forderte, verblüffte, frappierte. Das Allegretto, diese Perle, kam ohne elegische Note aus, war sogar flott. Aber weich. Der Applaus rasend, die Zugaben zärtlich, die Atmosphäre melancholisch, darf doch auch die Alte Oper in der nächsten Zeit nicht mehr vollbesetzen.

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