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Machen Tanzmusik mit Niveau, Schalk und etwas Glamour: Das Salontanzorchester.

Frankfurt

Opern im Taschenformat

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Das Frankfurter Salontanzorchester überführt Rossini und Strauss in die 1920er Jahre.

Es war ein Fagottist aus Wien, der das Buch mit dem Titel „Was Musiker tagsüber tun“ geschrieben hat. Klar, abends sitzen sie auf dem Podium oder im Orchestergraben, aber was machen sie untertags? Diese natürlich nur böse und nie ernsthafte Frage könnte Hartmut Krause problemlos auch ohne Verweis auf seine Dienstpläne beantworten: Er gründete und betreibt ein Salontanzorchester.

Der Geiger des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters hatte jedenfalls nicht genug von Rossini, Strauss und Konsorten, als er 2006 einige Kollegen um sich scharte, um in die leichte Muse zu schnuppern. Dort tauchen zwar auch die großen Namen auf, Rossini, Strauss und Konsorten eben, aber sie entfalten im Westentaschenformat eine ganz andere Wirkung. „Als begeisterter Opernmusiker habe ich immer auch viel und gerne Kammermusik gespielt“, sagt der gebürtige Berliner, „und daher finde ich es reizvoll, diese wunderbaren Opern in das kleine Format der Salonmusik zu übertragen.“

Das Ensemble

Hartmut Krause wurde 1965 in Berlin geboren und studierte Violine an der dortigen Musikhochschule „Hanns Eisler“. Nach ersten Orchesterstellen an der Staatskapelle Berlin und dem Berliner Konzerthausorchester wurde er 1988 in die 1. Geigengruppe des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters engagiert. Auf seine Initiative hin bildete sich 2006 das Salontanzorchester (www.salontanzorchester.de).

Das Salontanzorchester hat seinen Schwerpunkt in der Musik der 1920er Jahre. In der Besetzung Hartmut Krause (Violine), Claudia Dresel (Klarinette), Simon Backhaus (Kontrabass) und Sebastian Zierer (Klavier) gestaltet das Ensemble am Sonntag, 2. Februar, 11 Uhr, ein „Kammerkonzert zur Fastnachtszeit“ im Foyer der Oper Frankfurt am Willy-Brandt-Platz. Karten zu 13 Euro unter Tel. 069/21 24 94 94. ick

Operette und Walzer gehören da ins Kernrepertoire, aber auch Evergreens wie „Jalousie“ von Jacob Gade, „Frauen sind keine Engel“ von Gerhard Winkler oder „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ von Friedrich Hollaender. Mit seinen Mitstreitern versucht Hartmut Krause den Ton der 1920er-Jahre zu treffen, also Tanzmusik mit Niveau, Schalk und etwas Glamour anzubieten. Was aber genau reizt ihn, der auch im Bayreuther Festspielorchester mitspielt und für Richard Wagner schwärmt, an diesem besonderen Ton? „Diese Musik ist sinnlich, witzig und frech und deckt die ganze Bandbreite der menschlichen Gefühle ab. Ich glaube, dass sie auch deshalb Alt und Jung gleichermaßen anspricht, wie wir in unseren Konzerten oft bemerkt haben.“ Bei den klingenden Zwanzigerjahren fällt einem sofort Max Raabe ein – ist er ein Vorbild? „Ich finde es bewundernswert, wie Max Raabe es geschafft hat, die Musik dieser Zeit zu einer Marke zu machen. Durch die starke Fokussierung auf ihn gibt es einen hohen Wiedererkennungswert. Wir möchten uns jedoch breiter aufstellen und die schillernde Farbenvielfalt dieser Musik in allen Facetten zum Leuchten bringen. Deswegen gibt es uns in Vierer-, Fünfer- und Elfer-Besetzung, und wir spielen unsere Programme sowohl mit als auch ohne Solisten.“

Getanzt wird übrigens wirklich bei den Konzerten des Salontanzorchesters. Nicht immer und überall, dafür gerne bei honorigen Anlässen: Bei den Sponsorengalas der Oper Frankfurt etwa trauten sich einige Paare zu schwofen zu den Klängen der Musiker, die ja fast durchweg aus dem Opernorchester stammen.

Wenn jetzt das Salontanzorchester in der Opernhaus-Reihe „Kammermusik im Foyer“ auftritt, wird es aber ohne Tanzbein ablaufen, zumindest ist kein Parkett geplant. Auf dem Programm stehen die Komponisten Gioachino Rossini und Richard Strauss – von ersterem ein Potpourri, von letzterem eine „Rosenkavalier“-Walzerfolge –, denn diese Foyer-Konzerte bieten oft Querverweise auf den aktuellen Opernspielplan. Aber auch Amilcare Ponchiellis, „Tanz der Stunden“ ist mit dabei, ein in der Ära der Radio-Wunschkonzerte beliebter Klassiker, kaum einer kennt die dazugehörige Oper.

Ins Spielplankonzept des Frankfurter Opernintendanten passt auch wenig Operette, „Die Csárdásfürstin“ schafft es jetzt immerhin bis ins Foyer. Wobei, korrigiert Hartmut Krause: „Wenn auch die Operette bei uns nicht sehr häufig gespielt wird, so kommt sie doch stets hochkarätig daher. Die ‚Csárdásfürstin‘ haben wir an der Oper Frankfurt 2014 konzertant aufgeführt, ‚Die Fledermaus‘ in der Inszenierung von Christoph Loy kam 2011 heraus, 2018 hatte die ‚Lustige Witwe‘ Premiere.“ Die Operette wurde, sagt der Geiger und Tanzorchester-Leiter „zu Unrecht vom Musical in den Hintergrund gedrängt. In meiner Berliner Studentenzeit gab es noch Institutionen wie das Metropol-Theater in der Friedrichstraße oder Clärchens Ballhaus, dieses stilvolle Tanzlokal gibt es auch heute noch“. Für ihn seien das „herrliche Orte, an welchen man sich in die gute alte Zeit zurückträumen konnte“. Und ein bisschen davon bringt er nach Frankfurt, in Gestalt eines Salontanzorchesters.

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