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Kurzes Glück im Winter: Abernethy und Osborne.

Oper

Oper Frankfurt: Es waren zwei Königskinder

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Frederick Delius’ Oper „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ als Wiederaufnahme in Frankfurt.

Frederick Delius’ Oper „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ wird durch die deutschen Vorfahren des britischen Komponisten und die Vorlage der Gottfried-Keller-Novelle oft dem deutschsprachigen Betrieb zugeschlagen. Tatsächlich handelt es sich um das Meisterwerk eines englischen Wagnerbewunderers, dessen Frau Jelka Rosen, ihrerseits Malerin und Schriftstellerin deutsch-jüdischer Herkunft, das englische Libretto für die deutsche Uraufführung in Berlin 1907 übersetzte. 1910 folgte die englische Fassung in Covent Garden.

Oper Frankfurt: Wutanfälle und Schimpfereien

Auch an der Oper Frankfurt ist das Werk reizvollerweise auf Englisch zu hören. Die erste Wiederaufnahme seit der Premiere 2014 ist eine zwingende Gelegenheit, dieser Rarität in großer Form zu begegnen. Elias Grandy bietet mit dem Opern- und Museumsorchester große, empfindliche, wagnerisch angehauchte Trauer-, Tanz-, Todes- und Erlösungsmusik. Eva-Maria Höckmayrs Inszenierung (jetzt angeleitet von Caterina Panti Liberovici) widmet sich vielschichtig und verrätselt einer sofort aufs Scheitern gelenkten Geschichte. Sali und Vreli, Kinder verfeindeter Väter, haben keine Chance auf Glück. Sie fliehen in den Tod, der auf Christian Schmidts unbehaglicher Bühne von vornherein präsent ist: Das Anfangsbild entspricht dem Schlussbild, nur, dass man es eingangs eventuell noch nicht versteht. Steile Wände und Treppen in Weiß-Grau kreisen aussichtslos. Folklore gibt es eh nur in einigen Chorkostümen von Saskia Rettig.

Oper Frankfurt: Doppelt und dreifach

Die Doppelung, Verdreifachung des Personals wie auch des lächerlichen Stückchen Lands, über das sich die Väter zerstritten haben, bietet neben dem Erratischen einen Abgrund an Traurigkeit: Alles wiederholt sich, alles dreht sich bloß um sich selbst, bis Sali und Vreli nicht mehr mitmachen. Zwei Rollendebüts sind zu erleben. Jonathan Abernethy mit angenehm metallhaltigem Tenor und die erstmals in Deutschland engagierte Kanadierin Simone Osborne mit einem beweglichen, jugendlichen Sopran sind auch optisch ein echtes Königskinderpaar.

Aus der Premiere sind noch einige Sänger dabei, vor allem ist der selbst geigende Johannes Martin Kränzle erneut der „Schwarze Geiger“: dämonisch und verstört und doch eine lockend sympathische Alternative. Dietrich Volle und Magnus Baldvinsson sind wie gehabt die stumpfen Alten, denen Delius großartige Wutanfälle und Schimpfereien geschrieben hat.

Oper Frankfurt:15., 22., 28. März. www.oper-frankfurt.de

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