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Frankfurts GMD Sebastian Weigle, der jetzt im Opernhaus Mahlers „Lied von der Erde“ dirigierte.
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Frankfurts GMD Sebastian Weigle, der jetzt im Opernhaus Mahlers „Lied von der Erde“ dirigierte.

Konzert-Video

„Das Lied von der Erde“ aus der Oper Frankfurt: Die Einsamen im Frühling

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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„Das Lied von der Erde“, zutiefst melancholisch aus dem leeren Frankfurter Opernhaus.

So weit ist es gekommen, dass man mit Rührung, nein, mit Depression hinaus in den leeren Saal des Frankfurter Opernhauses starrt, der im Video beiläufig, aber eindrucksvoll in Szene gesetzt wird. Das Opern- und Museumsorchester unter seinem Chef Sebastian Weigle spielt Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ und lässt auch das Innere des Hauses selbst einen Gruß ans Publikum senden: Es bimmelt das Sicherheitsglöckchen, während der Eiserne Vorhang hochgeht, das unverkleidete technische Innere der Bühne bietet dann der Sängerin Katharina Magiera und ihrem Kollegen AJ Glueckert die Möglichkeit schräg von oben herunterzusingen wie vom Romeo-und-Julia-Balkon. Das Verwaiste und das Quicklebendige tun sich entschlossen zusammen, das Ganze ein Versprechen auf unverhinderbare Rückkehr.

Wie in „Neunzehnhundert“

Das weiträumig auf der Bühne verteilte Orchester spielt auch nicht mehr die aus der Corona-Krise bereits wohlvertraute Kammerversion von Arnold Schönberg, sondern Jens Joneleits Bearbeitung für kleinere Besetzung – in der aber, wie Weigle vorab betonte, keine Note fehle. Die Fassung ist eine Auftragsarbeit der Oper Frankfurt, 2011 für den Abend „Neunzehnhundert“ im Bockenheimer Depot erstellt, und an Orchesterfülle ist trotz der Reduktion und trotz der erforderlichen und fulminant gebotenen solistischen Leistungen kein Mangel. Die elegischen Orchesterpassagen im endlosen „Abschied“: selten so ausgetüftelt und spannungsvoll erlebt, jeder Ton, jedes Weiterrollen des Klangs ein Ereignis und ein Glück im Schmerzlichen. Das Durchsichtige ist diesmal – bei Joneleit wie bei Weigle – nicht oberflächlich, sondern analytisch klar.

Überhaupt herrscht viel mehr Frühling als Herbst. Glueckerts müheloses Erreichen jeder Höhe nimmt seinen Nummern das Verquälte und sogar auch das Grelle, ohne dass er ins Banale abrutschen würde (das kann passieren, merkwürdig in dieser Hinsicht die Erinnerung an Klaus Florian Vogts Auftritt in Wiesbaden im vergangenen Sommer). Der heulende Affe im „Trinklied vom Jammer der Erde“ oder der „Trunkene im Frühling“ verlieren nichts an Albtraumhaftigkeit und Wucht, wenn der Tenor ohne Druck nach oben kommt.

Sanft auch Magieras junge Altstimme, die sich in „Von der Schönheit“ wirklich behaglich ausbreitet und im „Einsamen im Herbst“ zu milder Ekstase aufschwingt. Einerseits wirkt das reif und rund, manchmal in leicht verschlierten (zu opernhaften?) Übergängen kann man sich auch gut vorstellen, wie die Arbeit noch (oder eh immer) im Gange ist.

Video unter www.oper-frankfurt.de

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