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12.000 Zuhörerinnen und Zuhörer dürfen auf das Gelände am Main. Aber die Boote liegen da natürlich gaaaanz zufällig.

HR-Sinfonieorchester

Open Air des HR: Es glänzen die Trompeten

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Und alle sind wir Europäer: Das große Open Air des Hessischen Rundfunks am Main.

Kein Sturm, nirgends. Von Trompeter Till Brönner, der mit der Big Band des Hessischen Rundfunks am frühen Abend das Großereignis am Mainufer eröffnet, bis zum letzten Ton des HR-Sinfonieorchesters bleibt das Wetter den Musikern gewogen.

Die Big Band spielt vor allem „Blue Eyed Soul“, Songs von Brönner. Im Publikum wird gestritten, wer niedlicher ist: der smarte Trompeter oder der wuschelige Magnus Lindgren an Saxofon und Flöte, der die Big Band leitet. Die ist der echte Star: So manches Solo entwickelt sich weit spannender als der makellose Ton Brönners.

Das Gelände schließt, als die Obergrenze von 12 000 Gästen erreicht ist; rund 8000 weitere, schätzt der HR, hören am Sachsenhäuser Ufer, auf Booten und in umliegenden Wohnungen zu. Viele tauschen Erinnerungen an das vergangene Jahr aus, als das Konzert wegen Sturmwarnung abgebrochen wurde: Das alljährliche Open Air hat treue Stammgäste – und es ist Musikvermittlung par excellence.

Allerdings pflegte bislang bei den Europa-Kulturtagen der Europäischen Zentralbank, zu denen das Konzert der beiden HR-Klangkörper zählt, ein Gastland das Programm zu inspirieren. In diesem Jahr will der Abend anlässlich des 20. Geburtstages des Euro und der EZB „einige der beliebtesten Musikstücke europäischer Komponisten“ vorstellen – wenig originell.

Immerhin: Dazu den Brüsseler „Chœur de la Monnaie“ einzuladen, den Chor einer Oper am Ort einer früheren Münzprägestätte also, ist eine fast schon subversive Idee – Geldhäuser zu Musentempeln! Aber sonst? Das „Halleluja“ aus dem „Messias“ von Händel, den die Briten für einen Londoner, die Deutschen für einen Hallenser halten. Der „Totentanz“ von Franz Liszt, von der Internationalität des Ungarn deutscher Zunge inspiriert, nicht vom Zustand der EU. Jacques Offenbachs „Barcarole“, die Venedig-Fantasie eines in Köln gebürtigen, mit einer Spanierin verheirateten Franzosen.

Als am wenigsten bekanntestes Werk hat Monnaie-Dirigent Alain Altinoglu eine Suite von Albert Roussel ausgewählt; aber ausgerechnet sie bleibt etwas blass. Auf den beliebten HR-Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada und seine charmanten Plaudereien müssen die Frankfurter diesmal verzichten.

Das Orchester klingt satt und kraftvoll – Chapeau auch der Tontechnik. Die finsteren Dies-Irae-Zitate im „Totentanz“, der Glanz der ägyptischen Trompeten in „Aida“ (auch Verdi ein großer Europäer, klar), auch die Händelschen Chorsätze ziehen doch druckvoll über den Platz. In leisen Passagen sind Abstriche an der gewohnten Präzision zu spüren; das Orchester konnte nur wenige Tage mit dem Gastdirigenten proben.

Altinoglu hat seine Frau mitgebracht, Mezzosopran Nora Gubisch. Bariton Paul Gay und Sopran Julia Kleiter sind dabei und am Klavier Alice Sara Ott. Den erkrankten Tenor Eric Cutler ersetzt Francesco Demuro im Duett aus Bizets Oper „Die Perlenfischer“. Und in Beethovens Neunter springt Attilio Glaser ein, der an der Frankfurter Oper gerade für die Wiederaufnahme von Mozarts „Idomeneo“ probt. Der Schluss-satz der Sinfonie bildet das markige Finale des Konzerts – was auch sonst?

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