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Chris de Burgh.

Chris de Burgh

Mit Ohrwürmern umarmen

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Chris de Burgh stellt in der Alten Oper sein neues Album vor und zeigt auch, dass er und seine Hits gut gealtert sind.

Er ist ein unscheinbarer kleiner Mann mit sich lichtendem Haar und mildem Lächeln. In Sachen Kleidung ignoriert er offenbar jede Stilberatung (schwarzes Autoverkäufer-Blouson, meine Güte). Er macht seinen Job aber mit einem Enthusiasmus, der nach Jahrzehnten immer noch echt wirkt. Der britisch-irische Schlagersänger Chris de Burgh ist unterwegs, um sein neues Album „A Better World“ vorzustellen – die stilisierte Rose des Covers ziert also den Bühnenhintergrund –, in Frankfurt füllt er die Alte Oper bis auf den letzten Platz. Denen ganz oben auf der Empore winkt er gleich mal zu und fragt sie, ob sie vielleicht Sauerstoff brauchen. Hihi. Chris de Burgh ist ein lässiger Plauderer, doch vor allem macht er Musik, mit vierköpfiger Band, auch eine Weile allein. Er sagt neue Lieder artig an, fügt reichlich ersehnte Hits ins (mit Pause) fast dreistündige Programm. Ein unprätentiöser Profi des Musikgeschäfts.

In die neuen Lieder hört man sich sofort ein. De Burgh war nie ein musikalischer Entdecker, doch weiß er immer noch Ohrwürmer, wenn auch vielleicht nicht die ganz großen Gassenhauer zu schreiben. Er eröffnet den Abend mit dem geschmeidig melodiösen „Bethlehem“ vom neuen Album, in dem es heißt: „The lion has gone and the lamb is dead“. Später spricht er über die „Katastrophe in Syrien“ und kündigt damit den ebenfalls neuen, politischen Song „Homeland“ an. Er lobt Deutschland für seine Flüchtlingspolitik und bekommt Applaus.

Er ist in der Alten Oper (aber sicher nicht nur dort) im wahrsten Sinn des Worts ein Star zum Anfassen. Begleitet von zwei kräftigen Ordnern, ihnen aber auch mal davonlaufend, startet er zum Händeschüttel- und Umarm-Rundgang quer über den Rang und durchs Parkett – dabei singt er nonchalant das berühmte „Lady in Red“. Es steckt noch Elan und Jugendlichkeit in dieser Stimme (nächstes Jahr wird de Burgh 70), ob es „Don’t Pay the Ferryman“ ist oder die Mitsinghymne „High on Emotion“. Haaaa-a-a-a-aiiii schmettert da auch das Publikum.

Nur den Wunsch nach „Patricia the Stripper“ lehnt der Sänger ab mit dem Hinweis: Die sei jetzt 40. Das macht noch einmal klar, wie allgegenwärtig vor Jahrzehnten seine Hits waren. Und dass sie doch ziemlich gut gealtert sind. In der Studenten-WG entzweiten sie die, die die Texte innig mitmurmelten und die, die zum Beispiel „A Spaceman Came Travelling“ als kitschig (und also uncool) verachteten. Wenn man in einem Alter ist, in dem man nicht mehr cool sein muss, kann man Chris de Burgh dann doch irgendwie mögen.

In Gedenken an die Opfer von Manchester wählt er dann aber kein eigenes Lied, sondern setzt sich hinters Klavier und spielt und singt solo „Let It Be“. Dreht sich dann im Fast-Dunkel nach hinten, wischt sich schnell und diskret die Augen. Er ist ein Unterhalter, aber eben nicht nur ein Routinier.

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