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Jordi Savalls "Jerusalem"-Porträt

Ohne jede Nachhaltigkeit

Jordi Savalls "Jerusalem"-Porträt enttäuscht bei der Premiere in Bochum. Eine musikethnologische Zeitreise ohne jegliche Nachhaltigkeit. Dabei war der Aufwand vielversprechend. Von Guido Fischer

Von Guido Fischer

Jordi Savall ist wohl einer der rastlosesten Musiker unserer Zeit. Und damit auch einer, der immer viel zu erzählen weiß. Als eine Art musikalischer Edelmann hat er mit seiner Gambe wie kein Zweiter den wundersam intimen Klanggeschmack der barocken Adelshäuser wachgeküsst. Dann wieder trommelt der Katalane seine Musikerfreunde vom Ensemble Hespèrion XXI zusammen, um sich zu Zeitreisen aufzumachen, die ihn in die Grenzregionen von Morgenland und Abendland nach Spanien, Marokko oder Persien führen. Auf quirligen Musikbasars verständigte man sich dort über jüdische, islamische, christliche Gesänge und Tänze.

2007 brach Savall auf Einladung der Pariser Cité de la Musique im Rahmen eines Konzertprojekts über die drei großen monotheistischen Religionen nach Jerusalem auf, dem Schmelztiegel der letzten drei Jahrtausende. Mit einem riesigen Team aus Instrumentalisten und Sängern legte er die musikalischen Spuren Jerusalems frei - von jüdischen Psalm-Gesängen über Koran-Vertonungen bis zu martialischen Liedern der christlichen Kreuzfahrer. Dokumentiert ist das alles auf einem inzwischen veröffentlichten CD-Logbuch.

Und da sich die Ruhrtriennale unter der neuen Federführung von Intendant Willy Decker in den nächsten drei Jahren eben auch drei große Glaubensrichtungen auf die programmatischen Fahnen geschrieben hat, passte Savalls Feldforschungsbericht "Jerusalem - Die Stadt der zwei Frieden" nun ideal zum diesjährigen jüdischen Schwerpunkt.

Zumindest auf dem Papier. Denn all das, was sich auf dem Tonträger an Klangaromen und -düften überträgt, um so einen musikalischen Friedensschluss zwischen Juden, Moslems und Christen zu versinnlichen, schlug jetzt erstaunlicherweise bei der Deutschlandpremiere in Bochum in eine musikethnologische Zeitreise ohne jegliche Nachhaltigkeit um.

Dabei war der Aufwand immens und vielversprechend. Gespickt mit zahlreichen Spezialisten und Gastmusikern aus Israel, den Palästinenser-Gebieten, Syrien, Iran und Europa, bauten sich Savalls Ensembles Hesperion XXI und Capella Reial de Catalunya auf einer mehrstöckigen Bühne auf, von der immer wieder urige Fanfarenklänge eines Widderhorns die Jahrhunderthalle erfüllten. Auf diesem siebenteiligen Parcours wechselten sich nicht nur Rezitationen von Texten ab, die die wechselvolle Geschichte Jerusalems mal als Pilgerstadt, mal als letzten Zufluchtsort spiegeln. Zymbals und orientalische Lauten, Glockenspiel und archaische Kniegeigen, Schalmeien und Dudelsack bildeten ein kunterbuntes wie musikhistorisch authentisches Rückgrat.

So gekonnt sich darum betörende Schleifgesänge legten und dann wieder mit Gregorianischen Gesängen und zarten Marien-Liedern konfrontiert wurden, so verblüffte doch nur Savalls minutiöse Recherchearbeit und exaktes Quellenstudium. Im Praxistest und live ist sein Jerusalem-Porträt keine Wundertüte voller Zauber und überspringender Funken, sondern zerfällt in einen gutgemeinten, aber bemüht wirkenden Monolog über Zeiten, als musikalische Dialoge durchaus möglich und damit vorbildlich waren.

Ruhrtriennale, Jahrhunderthalle Bochum: 29. und 31. August. www.ruhrtriennale.de

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