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OG Keemo in der Batschkapp: Jetzt kommen die Poltergeister

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Von: Nicklas Baschek

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OG Keemo bei einem Auftritt beim Hereos Festival in Geiselwind.
OG Keemo. © Imago

OG Keemo startet in der Frankfurter Batschkapp seine Tour.

OG Keemo wird irgendwann, gegen Ende eines sehr eindrücklichen Konzerts in der Batschkapp, ins Mikro sprechen, sie müssten „rausfinden, wie sie die Songs performen“. Ist das Bescheidenheit? Es ist das erste Konzert seiner Tour zu seinem zweiten Album „Mann beißt Hund“, einem Album über sein Aufwachsen in der Papageiensiedlung in Mainz, zwei Freunden und seiner eigenen „Survivor’s Guilt“, wenn er aus dem eigenen Leben und dem anderer Texte macht.

Die Menschen sind etwa fünfundzwanzig Jahre. Weiße T-Shirts in die Hose gesteckt, wieder Sneaker aus den 90ern. Es glimmt rot und es grollt tief, der Support kommt aus Frankfurt, die Stimmung ist schon jetzt sehr gut. Im Hintergrund steht ein Honda Civic aus Pappe, jenes Auto, in dem er in einem Song mit seinen Freunden sitzt, in dem sie aufbrechen, „wenn kurze Tage zu langen Nächten werden“.

Die Lichter des Honda leuchten wie in einer Stephen-King-Verfilmung. Keemo kommt auf die Bühne, er stellt sich und seinen Produzenten „und besten Freund“ vor, Funkvater Frank. Er ist der fast genauso prominente Produzent der Musik. Samplelastig, da ist Jazz und Film Noir, aber auch: Drill und Trap und das Jetzt. Es wird genommen, was gefällt. Und diese Haltung des Zurückschauens, um zu verstehen, was sich da Hier und Jetzt zeigt, sie passt auch auf das, was Keemo rappt, wenn er immer wieder seine Erinnerungen zu Text zu machen scheint. Figuren aus seiner Jugend treten auf, sagt er. Eine Figur tritt auf, die Keemo heißt.

„Du bist nie allein in deinem Haus“. Nicht mehr Herr im Haus. Keemo ist einsneunzig groß, 100 Kilo. Seine Stimme tief, aber sein Gesicht sanft und, ja, er dürfte nachdenken zwischen seinen Scherzen. Funkvater Frank ist Einmetersiebzig, 65 Kilo. Das spielt keine große Rolle, aber es ist ein Bild, das hängenbleibt.

Sie spielen „Geist“, den Titeltrack vom ersten Album von 2019, Licht überall, Keemo streift über die Bühne, Frank kniet auf dem Mischpult wie die gezeichneten Köpfehängenlasser im Manga, dahinter ein Vorhang. Rot. Da „Mann beißt Hund“ eine Geschichte erzählt wie im Hörspiel, war vorher nicht abzusehen, dass all das auch durcheinandergewürfelt und mit Tracks von davor funktioniert. Live zeigt sich, wie viele Hits OG Keemo und Funkvater Frank schon haben nach zwei Alben und einem Mixtape. Sie spielen „Petrichor“, dann „Regen“ („Sie lässt mich jeden Abend im Glauben, ich sei glücklich“). Die Wucht kam am Anfang, jetzt kommen die Poltergeister. „Denn wenn es regnet, regnet’s richtig.“ Die Geister und die Heimsuchung, Bilder, die Keemo seit Jahren aufruft.

Am Schluss, es wurde schon zigfach hineingerufen, spielen sie „Vorwort“, ein Stück auf einem Mobb-Deep-Sample über die eigene Karriere aus der Sicht desjenigen, der schon etwas erreicht hat, aber es nicht wissen kann. Die Verdopplung des Lebens. Hihats klackern, er muss seine Mutter beerdigen, er unterschreibt den Vertrag. Gleitet durch die Straßen wie ein Mantarochen. Im Song von 2018 stellt er gegen Ende immer wieder die Frage: „Was ist, wenn der Scheiß funktioniert?“ Die Menschen rappen mit, ein Chor.

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